Ein Schatz kehrt zurück ins Kloster

Ein Zeitmesser ganz aus der Nähe: Äbtissin Erika Krüger, Samtgemeindearchivar Manfred Schmidt und Uhrenmachermeister Stefan Herb (links) begutachteten das Uhrwerk an seinen neuenStandpunkt.

Ebstorf - Von Wiebke Brütt. Ein Schatz kehrt zurück in das Kloster Ebstorf, genauer gesagt ein über 400 Jahre altes Uhrwerk. Denn nach der „Verjüngungskur“ durch die Hände vom Wriedeler Uhrmachermeister Stefan Herb (AZ berichtete) und eine kurze Reise zur Sandstrahlbehandlung konnte sie gestern wieder offiziell dem Kloster übergeben werden. Insgesamt 250 bis 280 Arbeitsstunden investierte der Uhren-Profi in die Überarbeitung der historischen Uhr.

Rund neun Monate dauerte die vollständige Wiedergeburt des historischen Zeitmessers. „Die Uhren-Fachwerkstatt Kittelmann aus Wriedel, mit Uhrmachermeister Stefan Herb hat hervorragende Arbeit geleistet. Herr Herb hat ein altes Uhrwerk des Klosters so restauriert, dass rein theoretisch einer Inbetriebnahme nichts im Wege stände“, stellt Samtgemeindearchivar Manfred Schmidt begeistert fest. Doch die Betonung liegt auf „könnte“. Tatsächlich wird die Großuhr nämlich nicht wieder im Uhrenturm ihren Platz finden, sondern als Zeitzeuge alter Handwerkskunst im Kloster ausgestellt werden.

Wie alt die Uhr ganz genau ist, lässt sich heute nur schwer nachprüfen. „Nach einem Zeitungsartikel vom 29. Juli 1989 soll die Glocke vom Ostflügel aus dem Jahr 1601 stammen. Ob das auch das „Geburtsjahr“ der Uhr am Giebel ist, kann man nur vermuten, es lässt sich nicht mit endgültiger Sicherheit sagen“, erklärt Schmidt. „Außerdem ist zu erwähnen, dass die alte Uhr des Klosters nachweislich nur einen Zeiger hatte. Es wurde nur die volle Stunde angezeigt, weil die Mechanik der Uhrwerke der damaligen Zeit noch nicht in der Lage waren, den Minutenrythmus präzise einzuhalten.“ Diese Tatsache deutet nach Ansicht des Archivars darauf hin, dass das Geburtsjahr der Glocke mit der Installation der Uhr im Giebel identisch sein könnte.

Auch Klosterarchivar Wolfgang Brandis ist sich was das Alter der Uhr betrifft nicht sicher. Bei seinen Forschungen ist er aber auf einige Hinweise gestoßen: Demnach wurde im April 1690 eine Klosteruhr zum Uhrmacher nach Uelzen gebracht. Außerdem fand er heraus, dass die „neue Turmuhr“, eine „Viertel- und Stundenuhr“ vom Uelzener Uhrmacher gefertigt worden sei. Schmidt: „Hierbei kann es sich nur um unsere Uhr vom Ostflügel, die 1780 letztmalig restauriert worden ist, gehandelt haben. Denn die Große Turmuhr vom Kirchturm ist so groß, dass sie nicht ausgebaut wurde, um nach Uelzen transportiert zu werden.“ Das neu restaurierte Uhrwerk dürfte also zwischen 1601 und 1690 entstanden sein.

Die Arbeiten am Uhrwerk hat 1 900 Euro gekostet – Kosten, die nur über Spenden gedeckt werden konnten. Außerdem hat Uhrmachermeister Stefan Herb auf seinen Lohn verzichtet.

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