Querschnittsgelähmter nimmt an Ausfahrten teil

Für ihn soviel mehr als ein Gefährt: Vom Rollstuhl aufs Quad

+
Im Quad ist der querschnittsgelähmte Thorben Böhm ein Gleicher unter Gleichen. Seit 1999 ist der 33-Jährige, der aus Wriedel kommt, auf den Rollstuhl angewiesen.

Wriedel. Abenteuer und Lebensfreude verbinden die Freunde des „Quad und ATV Club Lüneburger Heide“ mit ihrem Hobby.

Das Fahren von Quads oder ATV, die drei Buchstaben stehen für „all terrain vehicle“ und sprechen für sich selbst, ist ein großer Spaß und auf dem Lande auch sehr praktisch – wenn man mal in den eigenen Wald oder aufs Feld fahren will. Doch für den querschnittgelähmten Thorben Böhm bedeutet das Fahren eines Quads sehr viel mehr. Seitdem der heute 33-Jährige nach einem Motorrad-Unfall im Jahr 1999 seine Beine nicht mehr bewegen kann, ist er auf den Rollstuhl angewiesen. „Irgendwie fällt man mit dem Rolli immer aus der Rolle“, schmunzelt Böhm, der aus Wriedel kommt und heute in der Elbmarsch lebt. „Andere nehmen Rücksicht, halten mir die Tür auf, und wenn sich am Ende meines Weges eine Treppe befindet und der Bauherr den behindertengerechten Zugang vergessen hat, bin auch ich am Ende. “ Aber wenn er mit den anderen Quadfahrern in Munster über das Gelände streift, gibt es keinen Unterschied zwischen ihm und den anderen Quadfahrern.

Anders als beim Motorradfahren arbeiten beim Quadfahren nur Kopf, Oberkörper und die Arme mit, versucht Böhm zu beschreiben. Drei Jahre nach seinem Unfall kaufte er sich ein Quad und folgte im Frühjahr einer Einladung zu einer gemeinsamen Ausfahrt, die Katja Mertins aus Wriedel in die Zeitung gesetzt hatte. Familie Mertins, die sich aus Neugierde mal ein Quad zugelegt hatte, war mehr als nur überrascht, dass sich spontan fast 80 Quadfahrer zur Premieren-Ausfahrt meldeten. „Die kamen aus Fehmarn und Hildesheim bis nach Wriedel“, erzählt Mertins. Neben Thorben Böhm waren noch weitere gehbehinderte Teilnehmer dabei, die dank der Quads ihr Handicap hinter sich ließen.

Rund 150 Kilometer Reichweite haben die robusten Viertakter – bei einer Geschwindigkeit von bis zu 110 Kilometer pro Stunde. Es gibt sie in sportlicher Ausführung als Einsitzer oder auch als Zweisitzer. Inzwischen organisiert der Quad-Club Wriedel jeden Monat eine Ausfahrt und im Herbst ein Treffen mit Orientierungsfahrt. Musik und Spaß hat den Verein, der sich vor zehn Jahren gründete, weit über die Region hinaus bekannt gemacht.

Dieses Jahr gibt es eine zweitägige Jubiläumsfeier, die schon am Freitag, 11. September, am Jägerkrug in Lintzel mit Live-Musik startet. Am nächsten Vormittag beginnen dann die angemeldeten Teilnehmer die elfte Wriedeler Quadrallye mit großer Tombola und anschließender festlicher Preisverleihung. Insgesamt werden vier Bands an diesem Wochenende spielen. Für Gäste ist es immer ein besonderes Vergnügen, wenn die Quadfahrer am Ende der Rallye, auf der sie nach Roadbook zahlreiche Aufgaben erledigen müssen, beim Quartier auf dem Festplatz wieder ankommen. „Im vergangenen Jahr mussten sich die Fahrer vor der letzten Station schminken und ein Gedicht ausdenken“, erinnert sich Katja Mertins an den Spaß.

Von Angelika Jansen

Kommentare