Antrag beim Ministerium gestellt

Präzedenzfall: Ebstorf will Tagespflege

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Ebstorf. Im August könnte die dritte Gruppe in der Ebstorfer Krippe eröffnet werden – so die vorsichtig optimistische Prognose von Ebstorfs Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf. Die angestrebte Übergangslösung bis dahin: eine Tagespflegegruppe.

Einen Antrag auf ein entsprechendes Pilotprojekt hat das DRK als Betreiber bereits gestellt.

Der Grund für die Variantentüftelei in Ebstorf: Der Gemeinde sitzt die Landesschulbehörde im Nacken. Denn der Klosterflecken Ebstorf hat vom Land Niedersachsen Fördergelder für den Bau einer drei Gruppen starken Krippe beantragt – seit der Eröffnung im April 2010 konnten mangels Anmeldungen jedoch nur zwei der drei Gruppenräume besetzt werden. Würde die Krippe nicht in dem Umfang genutzt werden wie anvisiert, drohen dem Flecken Zuschussrückzahlungen an das Land (die Allgemeine Zeitung berichtete).

„Derzeit sind die beiden Krippengruppen gut besetzt“, sagt Oelstorf. Um weitere Anmeldungen zu generieren, hatte die Gemeinde den Mai als Schnuppermonat ausgerufen. Maximal für drei Wochen konnten Eltern und Kinder die Krippe ausprobieren. Ergebnis der offensiven Werbung: Fünf Kinder würden für eine dritte Gruppe zusammenkommen – acht wären für eine „normale“ Gruppe nötig. Die fünf vorliegenden Interessensbekundungen würden jedoch für die angestrebte Kleingruppe in Form von Tagespflege reichen. „Als Kommune können wir unseren Betreuungsbedarf für unter Dreijährige über Krippen oder Tagesmütter decken. Letzteres wäre dann also Tagespflege. Für Kinderkrippen sind solche Tagespflegeplätze eigentlich nicht vorgesehen. Wir hoffen aber dennoch, eine Genehmigung von der Landesschulbehöre zu bekommen“, sagt Oelstorf. „Wir können den freien Raum ja gar nicht besser nutzen. Und unsere Bedingungen sind sehr gut im Vergleich zum privaten Bereich, wo Tagespflege erlaubt ist.“ Die altersgerechte Ausstattung des Hauses spräche für eine Unterbringung in der Kinderkrippe. Außerdem stünden ausgebildete Erzieher im Notfall mit Rat zur Seite.

In der Tagespflege werden maximal sechs Kinder gemeinsam betreut – allerdings auch nur von einem Erzieher. In einer „normalen“ Krippengruppe , in der 15 Kinder gemeinsam spielen und lernen können, sind zwei Erzieher vor Ort. Für Ebstorf würde die Genehmigung der Tagespflegegruppe also gleich mehrere Vorteile bringen: Der dritte Gruppenraum würde sachgemäß genutzt, Zuschüsse müssten vermutlich nicht zurückerstattet werden und gegenüber einer gängigen Krippengruppe, die zunächst ohnehin nicht voll besetzt wäre, könnte der Flecken Personalkosten sparen.

Der Antrag des DRK wurde inzwischen im ersten Anlauf abgelehnt, wie am Montag auf der Sozialausschusssitzung des Fleckens bekannt wurde. Die Begründung: unter anderem würde eine Betreuerin, wie es für Ebstorf vorgeschlagen wurde, auch für eine Kleingruppe nicht ausreichen. Zudem sei die Einrichtung einer Kleingruppe in reiner Krippengruppe grundsätzlich nicht möglich. Der Vorschlag der Behörde: eine altersübergreifende Gruppe. „Wir gehen insoweit auf die Einwände ein, dass wir angeboten haben, der Erzieherin der Kleingruppe eine Praktikantin zur Seite zu stellen“, signalisiert Oelstorf Kompromissbereitschaft. Peter Vogt vom DRK-Kreisverband Uelzen verweist derweil darauf, dass es im Kindertagesstättenbereich die Möglichkeit einer Kleingruppe von maximal zehn Plätzen gäbe – Krippen seien lediglich nicht gesondert aufgeführt. Das DRK beharrt darum auf die Genehmigung eines auf ein Jahr begrenzten Modellversuchs.

Von Wiebke Brütt

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