Aida Hilmer lebt seit 23 Jahren in Ebstorf und fordert schnelle Integration

Ein Pappschild reicht nicht

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Aida Hilmer kam vor 23 Jahren aus Ägypten zum Arbeiten nach Deutschland und fand in Ebstorf ihre neue Heimat.

Ebstorf. Als sie vor 23 Jahren nach Deutschland kam, konnte sich die Ägypterin Aida Hilmer nicht vorstellen, für immer zu bleiben. Sie machte damals ein Praktikum im Missionarischen Zentrum in Hanstedt I.

Doch dann lernte sie ihren Mann Hans-Heinrich kennen und blieb in Ebstorf. Dort baute sie den Frühstückstreff für ausländische Frauen auf, der jetzt sein 20-jähriges Bestehen feiert.

„Ich hatte damals das Glück, von Beginn an Deutsch sprechen zu können“, erzählt die zweifache Mutter. Das hätten aber nicht alle ausländischen Frauen gehabt, die der Liebe wegen nach Ebstorf kamen. „Ich wollte damals einen Ort schaffen, wo jeder seine Scheu vor der deutschen Sprache verlieren konnte“, erzählt sie.

Denn viele Ausländer hätten zuerst Angst, Deutsch zu sprechen, aus Angst Fehler zu machen, erklärt die Dolmetscherin für Arabisch. Daher sei es aus ihrer Sicht wichtig, dass auch Flüchtlinge, die dieser Tage nach Deutschland kommen, so schnell wie möglich Deutsch lernen. Gleichzeitig sollten ihnen deutsche Gewohnheiten erklärt werden.

Aber auch die Deutschen müssten sich mehr kümmern, sagt Aida Hilmer. „Es reicht nicht, ein Pappschild mit ‘Refugees Welcome’ hoch zu halten und dann nach zwei Tagen die Flüchtlinge wieder zu vergessen. Wenn Integration gelingen soll, muss man am Ball bleiben.“ Dabei sei es wichtig, auch Verständnis für die Religion zu zeigen, wie etwa das islamische Opferfest. An vielen Schulen wüssten die Lehrer gar nicht, dass muslimische Kinder an islamischen Feiertagen frei haben könnten. „Aber gleichzeitig müssen wir klare Grenzen ziehen, wenn es um Werte geht, die in Deutschland unumstößlich sind, wie etwa die Rechte der Frauen“, so Aida Hilmer.

Die Sprache und Werte seien aber nicht alles. „Wichtig ist, dass die Flüchtlinge so schnell wie möglich arbeiten können und einen festen Tagesablauf bekommen“, erklärt sie. Denn Struktur und eine Aufgabe würden helfen, weiß sie aus eigener Erfahrung.

Dass diese Aufgaben nicht von den Kommunen und Ehrenamtlichen bewältigt werden können, sei klar. „Deshalb darf sich die Politik nicht nur auf ein einfaches Willkommen zurückziehen, sondern muss auch handeln.“

Aida Hilmer selbst sei vor 23 Jahren gut von den Menschen aufgenommen worden. „Dass ich in einem Dorf lebte, hat es aus meiner Sicht auch einfacher gemacht. Wenn ich etwas machen wollte, habe ich es mit den Dorfbewohnern gemacht. So war ich innerhalb kürzester Zeit voll integriert.“ Heute stehe für sie eins ganz sicher fest: „Deutschland, das ist Heimat.“

Von Lars Lohmann

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