Countrysänger Col. Reb Custer empfängt Porschefans und gewährt Einblicke in seinen Bahnhof

Ein „neues Tor“ für Ebstorf

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Hingucker des Tages: Ein Chrysler CM6 Roadster, Baujahr 1931, mit dem Wolfgang Bolte nach Ebstorf gekommen war.

Ebstorf. Zugeinfahrt mit Country-Musik: Col. Reb Custer macht´s möglich. Der Countrysänger hat Ebstorfs Bahnhof gekauft. Seit gut einem Jahr saniert er ihn.

Unter dem Dach hat der Neu-Ebstorfer sich bereits ein Musikzimmer eingerichtet: „Da geht´s manchmal richtig los“, erzählt er am Sonnabend bei einer Führung durch das Gebäude.

1985 hat die Deutsche Bahn den Bahnhof aufgegeben. Seit 1988 ist er in privaten Händen. Die Gleise werden bis heute genutzt. Auf der sogenannten Amerika-Linie pendelt der Erixx zwischen Bremen und Uelzen. Einmal die Stunde hält ein Zug. Für Col. Reb Custer kein Problem; er hat den Bahnhof zu seinem neuen Domizil gemacht. Und der 60-Jährige hat noch Pläne für den Bau und die etwa 3500 Quadratmeter, die dazugehören. Das Bahnhofsgebäude soll Anlaufpunkt für Zugfans werden – mit einer kleinen Ausstellung im früheren Wartesaal. Zudem kann er sich vorstellen, Gelände und Gebäude für Veranstaltungen zu nutzen: So wie am Sonnabend.

Entlang des Bahnhofgebäudes stehen an diesem Tag mehr als ein halbes Dutzend Porsche. Die „Porschefreunde 1. Mai“ veranstalten immer zum Maifeiertag das größte Porschetreffen der Welt in Dinslaken. Custer moderiert es seit Jahren; Freundschaften sind entstanden. Aus dieser Verbundenheit heraus vereinbarten Besitzer der Boliden ein Treffen beim Countrysänger in Ebstorf, zu dem auch Wolfgang Bolte den Weg findet – mit seinem Chrysler CM6 Roadster, Baujahr 1931. Bei diesem Oldtimer kommen auch Porschebesitzer ins Schwärmen: „Ein wahres Schmuckstück.“

Custer führt an diesem Tag auch durchs „Haus“. Jürgen Meyer war in Ebstorf viele Jahre als Bahnbeschäftigter tätig. Er kennt den Bahnhof noch aus Zeiten, als in der Gaststätte im Erdgeschoss die leckersten Brathähnchen weit und breit gegessen wurden. „Das waren Zeiten“, sagt Meyer. Mit Staunen sieht er an diesem Tag das Gebäude in verwandeltem Zustand.

Im mittleren Gebäudeteil, in dem der Bahnhofvorsteher früher wohnte, hat sich Custer mit seiner Frau eine Wohnung hergerichtet. „Viel Arbeit liegt noch vor uns“, sagt der Countrysänger beim Rundgang. Ein Anfang sei aber gemacht. Das will Custer auch zeigen. Deshalb wird er am Mittag „ganz offiziell“.

Als Bahnhof außer Dienst hat Custer für das Gebäude einen neuen Namen gefunden. Mit Ebstorfs Bürgermeister Uwe Beecken, der im Porsche abgeholt und zum Bahnhof gebracht wurde, enthüllt der Countrysänger ein großes Schild: „Ebstorf. America Line Depo Monument“ steht darauf, in Anlehnung an die Amerika-Linie, die dort verläuft.

Holger Hilmer, Vorsitzender der Urlaubsregion Ebstorf, nutzt die Gelegenheit für ein paar Worte: Ein Bahnhof sei immer ein Tor zur Stadt. Ebstorf habe nun neues Tor, für das Custer Ideen habe. Und wer wisse schon: Vielleicht gebe es ja irgendwann vielleicht dort auch wieder so leckere Hähnchen wie einst.

Von Norman Reuter

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