Ebstorfer Traditionsunternehmen an zwei neue Gesellschafter verkauft

Firma Müller’s Hausmacher Wurst vor Insolvenz gerettet

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Die Firma Müller’s Hausmacher Wurst mit Sitz an der Uelzener Straße in Ebstorf ist verkauft worden.

Ebstorf. Die Gerüchteküche in Ebstorf brodelte in den vergangenen Wochen beinahe über. Jetzt ist klar: Das Traditionsunternehmen Müller’s Wurst GmbH & Co. KG ist verkauft worden.

Ebstorf. Die Gerüchteküche in Ebstorf brodelte in den vergangenen Wochen beinahe über. Jetzt ist klar: Das Traditionsunternehmen Müller’s Wurst GmbH & Co.KG ist verkauft worden. Der Betrieb an der Uelzener Straße 16 stand bereits kurz vor der Insolvenz, als vor etwa acht Wochen Ekkehard Heilemann und Volkmar Kaminski erste Verhandlungsgespräche mit den damaligen Inhabern führten und kurz darauf in das Geschäft einstiegen, dessen Anfänge bis auf das Jahr 1949 zurückgehen.

Die beiden neuen Gesellschafter kommen aus der Branche und kennen das Ebstorfer Unternehmen schon seit Jahren beziehungsweise Jahrzehnten: Heilemann ist geschäftsführender Gesellschafter der EWU Thüringer in Serba (die mit der „Stadion-Bratwurst“ exklusiver Sponsor des 1. FC Magdeburg ist) sowie Geschäftsführer der Keunecke Frischmenue GmbH im sachsen-anhaltinischen Ballenstedt. Volkmar Kaminski betreibt in Stuhr bei Bremen ein Verpackungs-, Transport- und Lagerunternehmen, das bereits seit mehr als 40 Jahren mit Müller’s Hausmacher Wurst in Ebstorf zusammenarbeitet.

Die beiden neuen Gesellschafter führen ihre Unternehmen als mittelständische Familienbetriebe, beide inzwischen in der fünften beziehungsweise vierten Generation. Und für sie steht trotz aller Umstrukturierungen, die in nächster Zeit bevorstehen, auch fest: „Auch Müller wird Müller bleiben“. Denn das Ebstorfer Unternehmen war stets Vorbild in der Branche.

2007 hatten Franz-Josef Hermes und Christoph Baumgärtner sämtliche Geschäftsanteile des Unternehmens von der Familie übernommen, waren im Dezember 2014 mit dem Wurstwaren-Betrieb in schwere Fahrwasser geraten: Nach einer Anzeige hatte es dort eine Razzia gegeben, die Staatsanwaltschaft hatte Fleisch beschlagnahmt, das nicht für den menschlichen Verzehr geeignet gewesen war (die AZ berichtete).

Inwieweit diese Entwicklung zur drohenden Insolvenz beigetragen habe, wollen Ekkehard Heilemann und Volkmar Kaminski nicht bewerten. Für sie zählt jetzt der Blick nach vorn. Erste Schritte in eine neue Zukunft haben sie bereits eingeleitet.

„Die Lage war dramatisch“

Neue Inhaber wollen Müller-Wurst aus der Krise führen

Sie wollen das Traditionsunternehmen wieder auf die Beine bringen: Volkmar Kaminski (links) und Ekkehard Heilemann sind die neuen Inhaber von Müller’s Wurst in Ebstorf.

Irgendwie hatten sie schon immer eine Art „Dreiecksbeziehung“, sagt Ekkehard Heilemann. Er, der Fleischwaren-Unternehmer aus Sachsen-Anhalt, sein Kollege Müller aus Ebstorf und der Verpackungs-Spezialist Volkmar Kaminski aus Stuhr bei Bremen. Man kennt sich eben in der Branche, hält über Jahre, ja, Jahrzehnte und Generationen hinweg Kontakt zueinander. Als Heilemann und Kaminski dann vor etwa acht Wochen hörten, dass das Traditionsunternehmen im Klosterflecken kurz vor der Pleite stand, ging es sehr schnell: Nach intensiven Gesprächen mit den vorherigen Inhabern, mit Banken, dem Betriebsrat und Mitarbeitern entschieden sie sich, Müller’s Hausmacher Wurst aus der Krise zu führen.

„Der Standort hat Potenzial“, sagt Ekkehard Heilemann im AZ-Gespräch, und er solle auch als solcher erhalten bleiben. Natürlich werde man aber Synergien nutzen, die sich aus den Strukturen von Heilemanns und Kaminskis Familien-Unternehmen ergeben – beim Einkauf zum Beispiel, aber auch bei der Lagerung und Logistik. So verfügt Volkmar Kaminski beispielsweise über eine eigene, rund 40 Fahrzeuge starke Lkw-Flotte. Schon sein Vater hatte „den alten Müller“, wie er sagt, mit Gläsern und Dosen für dessen Wurstwaren beliefert. „Die Lage war dramatisch“, schildert Volkmar Kaminski die Situation von Müller’s Hausmacher Wurst vor einigen Wochen. Offene Rechnungen hatten sich wegen Zahlungsschwierigkeiten aufgetürmt, längst wurde nur noch drei bis vier Tage die Woche gearbeitet. „Es waren einige Fehler gemacht worden, und es gab dringenden Handlungsbedarf“, fasst es Ekkehard Heilemann zusammen.

Zum 1. September übernahmen er und Kaminski schließlich das Unternehmen. Nicht nur die Banken spielten mit, sondern auch die Belegschaft. „Vor allem der Betriebsrat ist äußerst kooperativ und hat hervorragend mitgearbeitet“, ist Heilemann begeistert, „das macht wirklich Spaß.“ Nicht zu vermeiden war allerdings die Entlassung von 16 Mitarbeitern. Mit rund 75 verbliebenen Angestellten geht es nun in die Zukunft.

Die Marke Müller werde weiter wertgeschätzt, betonen die beiden neuen Gesellschafter. „Sie ist eine gute Ergänzung zu unseren Ost-Produkten“, sagt Ekkehard Heilemann. Eine gute Ergänzung für die Region sei aus ihrer Sicht übrigens auch eine Autobahn: Als beim Durchforsten der Unternehmensunterlagen, die Frage aufkam, ob die Mitgliedschaft im Verein Nordland-Autobahn bestehen bleiben soll, gab es kein Wenn und Aber: „Wir brauchen die A 39“, sagt Ekkehard Heilemann, „ja, sogar wir als Sachsen-Anhaltiner fordern sie!“

Von Ines Bräutiam

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