Vorschlag für die Ehrenamtswahl: Aida Hilmer hilft ausländischen Frauen, sich zurechtzufinden

Mensch 2015: Sie ist die Integrationshelferin

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Aida Hilmer kam vor 23 Jahren aus Ägypten in den Landkreis Uelzen. Sie organisiert in Ebstorf den „Frühstückstreff für ausländische Frauen“.

Ebstorf. Für Aida Hilmer gehört Integration von Migranten schon seit 23 Jahren zum Alltag, den sie kultiviert hat.

Denn als sie vor 23 Jahren aus Kairo zu einem Praktikum nach Hanstedt I kam, lernte sie nicht nur Land und Leute, sondern auch ihren Mann kennen, der sie bat zu bleiben. Sie entschied sich, in Ebstorf eine Heimat zu finden, heiratete und bekam zwei Kinder.

„Ich bin nicht die einzige Frau, die aus einem fremden Land nach Ebstorf kam“, war sie sicher und organisierte einen ersten „Frühstückstreff für ausländische Frauen“. Dabei suchte sie nicht nur Kontakt zu anderen ausländischen Frauen, um Erfahrungen auszutauschen, sondern wollte in ihrer neuen Heimat einen gestaltenden Beitrag leisten.

Für ihren Beitrag gehört Aida Hilmer zu den zehn Nominierten bei der Wahl „Mensch 2015“, eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen. Bis Mittwoch, 27. Januar, können die AZ-Leser ihre Stimme abgeben – nur mit Originalcoupons aus der AZ. E-Paper-Kunden können aber auch mit einem Ausdruck des Coupons teilnehmen, wenn sie darauf ihre Kunden-Nummer eintragen.

Die Frau aus Ägypten traf im Laufe der vergangenen 20 Jahre unter anderem Frauen aus Finnland, Sri Lanka, Russland, Honduras, Ex-Jugoslawien, Dänemark, Lettland, Thailand, Philippinen, Kosovo. Frauen gesellten sich in den Kreis, wenn sie Unterstützung suchten, konkrete Fragen hatten oder einfach nur, „weil wir in der neuen Heimat ankommen wollten“.

Immer wieder kamen neue Frauen hinzu oder verabschiedeten sich, weil sie aus dem Kreis Uelzen wegzogen. Doch der Kreis, dem die Kirchengemeinde Mauritius von Anfang an die Türen öffnete, etablierte sich in der Gemeinde. „Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Kirchengemeinde ihre Räume für Aktivitäten zur Verfügung stellt, die mit der Kirche oder dem ausgeübten Glauben der Gemeinde nur wenig zu tun haben“, würdigt Aida Hilmer die Offenheit und Weitsicht der Mauritius-Gemeinde. Sie selbst ist koptische Christin.

„Anfangs organisierten wir ein jährliches Treffen aller Familien.“ Der Frühstückstreff blieb ein gemeinsamer Rückzugsort für ausländische Frauen. In dieser Zeit, so sinniert Hilmer, gebe es kein Problem, das Migrantinnen betrifft, das man nicht in der Gruppe erlebt habe. Das beginnt bei den Sprachbarrieren und der Initiative eines Deutschkurses und geht bis zu begleiteten Arztbesuchen oder Krankenhauseinweisungen.

„Es gibt im Alltag einer Familie so viele verschiedene Ereignisse, die in anderen Ländern eine andere Bedeutung haben oder gehandhabt werden“, fasst sie die vielfältigen Erfahrungen zusammen. Die ausländischen Frauen versuchen, ihre alltäglichen Herausforderungen erst mal allein zu lösen, wie sie es im eigenen Land kennen. „Auch wenn man schon lange in Deutschland lebt, voll integriert ist, wird man wegen der Hautfarbe oder der Augenform immer noch anders angesehen“, weiß die Ebstorferin. Auch deshalb ist Aida Hilmer überzeugt, dass Integration zuverlässige kontinuierliche langfristige Begleitung erfordert und nicht mit einem umfassenden „Startpaket“ zu bewirken sei.

Von Angelika Jansen

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