Ebstorfer sammeln Ideen für die Zukunft des Klosterfleckens: Teilnehmer für Arbeitsgruppen gesucht

Mehr Mülleimer und schicke Fassaden

Eines der umstrittenen Gebäude im Ortskern Ebstorfs: In der Lüneburger Straße reihen sich ansprechend sanierte Häuser an Unterkünfte, die mehr als einen neuen Anstrich gebrauchen könnten. Foto: Wendlandt

Ebstorf. Einen neuen Weg in Sachen Ortskernbelebung schlägt der Klosterflecken Ebstorf ein: Kein Architekt oder Marketingexperte wird gebeten, Lösungen für die Probleme der Gemeinde zu finden.

Stattdessen sind von Anfang an die Meinungen der Bürger gefragt – ein Modell, das ankommt. Denn bei der ersten Veranstaltung einer geplanten Reihe, innerhalb der ein „ganzheitliches Konzept“ für die Gemeinde entwickelt werden soll, füllte sich die Mehrzweckhalle der Mauritiusschule unerwartet. Rund 150 Einwohner waren der Einladung von Gemeinde, Ebstorfer Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) und Verkehrsverein gefolgt. Der Hamburger Architekt Holger Reiners, den die Gemeinde, wie berichtet, als externen Ideengeber für das Projekt „ganzheitliches Konzept“ engagiert hatte, blieb aus Krankheitsgründen fern.

Bewusst hatten die Veranstalter auf das Korsett einer konkreten Fragestellung verzichtet. „Wir wollen zusammen mit den Bürgern ein Wir-Gefühl entwickeln und sie von Anfang an mitnehmen“, erklärte Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf den Grund für den offenen Diskussionsansatz. Wirtschaft, Ortsbild, Kultur, Tourismus, aber auch Infrastruktur und allgemein die Lebensqualität im Klosterflecken – alles wird auf den Prüfstand gestellt.

Während Verwaltungschef Oelstorf in erster Linie das Ortsbild thematisierte – also sanierte Gebäude mit in die Jahre gekommenen Häusern verglich und darauf hinwies, dass bereits kleine Veränderungen – etwas frische Farbe oder Pflanzen – das Erscheinungsbild des Ortskerns verbessern würden, stürzten sich die Einwohner auf scheinbar kleinere Alltagsprobleme: fehlende Mülleimer, Hundekottüten und Beschilderungen am Bahnhof, mangelnde Beleuchtung und Sauberkeit in manchen Straßenzügen. Auch Altbekanntes kam auf den Tisch: So beklagten Zuhörer das unzureichende Bus- und Bahnnetz im und um den Klosterflecken. „Vielleicht könnten wir ja so eine Stadtbahn einrichten, wie sie auch in Bad Bevensen fährt. Die dreht da den ganzen Tag ihre Runde und sammelt die Leutchen ein“, schlug Jessica Lüllau vor. Zuvor hatte sich eine Zuhörerin zur Sprecherin für Ebstorfs Senioren gemacht. Ältere Einwohner hätten ein Problem mit weiten Wegen und würden sich einen Nahversorger im Ortskern wünschen, der gleichzeitig Artikel des Grundbedarfs vorhält und Ort zum Verweilen ist. Die EWG hatte in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, leer stehende Geschäftsräume an den Mann zu bringen, bisher haben überregionale wie lokale Ladenketten jedoch abgelehnt. Ein Betrieb im Ebstorfer Ortskern sei nicht wirtschaftlich, so das Argument der Geschäftsleute (die AZ berichtete). Die Ideen der Ebstorfer sollen nun den Arbeitsgruppen (siehe Kasten) – zu denen jeder eingeladen ist – erste Denkanstöße bringen. „Haben Sie keine Angst, dass Sie überfrachtet werden, wenn Sie sich in den Arbeitsgruppen engagieren. Die Verwaltung wird Sie unterstützen und alles Organisatorische übernehmen. Es geht darum, etwas Nachhaltiges für Ebstorf zu entwickeln und machbare Ziele zu definieren“, appellierte Oelstorf.

Von Wiebke Brütt

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