Markt braucht Mitstreiter

Bäcker, Schuster und Schlecker haben den Ort Wriedel bereits verlassen – zumindest ein Schaufenster wollen Marianne Müller und ihre Mitstreiter wieder füllen. Einen Nachbarschaftsladen wollen sie im Ortskern gründen. Foto: Ph. Schulze

Wriedel. Wer durch Wriedel fährt, sieht vor allem eines: leere Schaufenster im Ortskern. Das möchte Marianne Müller ändern – mit einem Nachbarschaftsladen direkt an der Hauptstraße. In einem ersten Treffen mit Interessierten ging sie am Mittwoch nun ans Eingemachte: Finanzierung und Angebotspalette standen auf dem Plan.

„Unser Mitmachmarkt soll auf keinen Fall eine Konkurrenz zum bestehenden Angebot werden“, betonte Müller. Dienstleistungen, Ausstellungen, Seminare und Kunsthandwerk sollen Schwerpunkte des Nachbarschaftsladens sein. Denn die Grundversorgung stimmt in Wriedel: Bäcker- und Fischwagen kommen regelmäßig und im NP-Markt kaufen die Einwohner alles, was sie sonst noch brauchen.

In dem Nachbarschaftladen, der in dem ehemaligen Schlecker-Markt entstehen könnte (die AZ berichtete), könnten Handwerker ihre Arbeiten für feste Zeitspannen ausstellen. Auch Dia-Abende oder Flohmärkte kann sich Initiatorin Marianne Müller auf der 200 Quadratmeter großen Fläche vorstellen. „Vielleicht hat auch jemand Lust, dort seine selbstgestrickten Socken anzubieten und anderen Stricken beizubringen“, reihte Müller einen weiteren Vorschlag an ihre mehrere Seiten lange Ideenliste.

Mit Otto Linhard, dem Inhaber der Verkaufsfläche, die Müller für ihren „Mitmachmarkt“, wie sie ihren Nachbarschaftsladen gerne nennt, verhandelt sie bereits. Fest steht: Linhard würde ihr das Geschäft schon zum September hin überlassen, über Mietpreis und -bedingungen wird noch gesprochen.

„Wenn ich 3000 Euro Startkapital habe, lege ich los“, kündigte die Lehrerin am Mittwoch voller Tatendrang an. An dieser finanziellen Starthilfe hapert es derzeit jedoch noch. Müller: „Ich bräuchte 30 Leute, die mir 100 Euro geben. Die würden dann natürlich auch am Gewinn des Ladens beteiligt werden.“

Marianne Müller und ihr Bruder würden eine Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) bilden und als Gesellschafter auftreten. Wer die Geschäftsfläche für Ausstellungen, Vorträge, Seminare oder zur Präsentation seiner Arbeiten nutzen möchte, zahlt an den Nachbarschaftsladen Miete, die vorher ausgehandelt wird, und beteiligt den Mitmachmarkt prozentual an dem Gewinn. Dieser Gewinn wird dann am Ende des Jahres wieder auf die Menschen aufgeteilt, die sich am Startkapital des Nachbarschaftsladens beteiligt haben. Müller: „Es werden quasi Gesellschaftsanteile verkauft.“

Auf eine finanzielle Unterstützung durch die Gemeinde Wriedel können Marianne Müller und ihr Team zunächst nicht hoffen. Bürgermeister Peter-Uwe Breyer wies auf die schwierige finanzielle Situation der Gemeinde hin, betonte aber: „Ich finde es gut, wenn dem Leerstand entgegengewirkt wird und bin gerne als Berater dabei.“ Inwiefern eine Förderung des Ladens durch Gelder aus dem Leader-Programm möglich ist, prüft Müller derzeit noch.

In weiteren Treffen werden Konzept und Finanzierung erneut Thema sein. Interessierte mögen sich unter der Telefonnummer (0 58 29) 6 28 bei Marianne Müller melden.

Von Wiebke Brütt

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