Ein Mann – vier Rollen

Rasanter Rollenwechsel: Marcio Saccoccio päsentierte vier verschiedene Figuren und sorgte dabei für Lachtränen im Publikum.

Wettenbostel. Nach „Fanclub der Sehnsucht“ und „Zebraline von der Insel“ hatte am Freitag mit „Familien-Quartett“ ein neues Stück des Jahrmarkttheaters Premiere in Wettenbostel. Der Untertitel „One Man – One Family Show“ verrät es: Ein einziger Schauspieler, Mario Saccoccio, stellt hier eine ganze Familie auf die Bühne, die Familie Müller-Gentile. Von Jürgen Köhler-Götze

Und wie er das macht, das erinnert an die Commedia dell Arte, die alte italienische Volkstheater-Tradition. Rasant wechselt Saccoccio die Rollen, spielt Angelo, einen herzensguten Jungen, der allerdings trotz seiner 29 Jahre immer noch zu Hause bei Mama und Papa wohnt, sich bekochen und betüddeln lässt und im ärgsten Notfall von Mama immer noch mit einem Schnuller versorgt wird.

Und er spielt Papa Gino, einen Italiener aus Überzeugung. Da wird aber nun auch gar kein Klischee ausgelassen. Der Mann steht auf schöne Frauen, Fußball und Pasta. Und natürlich auf Familien, auch wenn das manchmal mit den schönen Frauen nicht ganz so gut zusammenpasst.

Saccoccio spielt auch Mama, die alles Spitze findet, vor allem ihren Angelo, den sie nach Herzenslust verwöhnt. Und auch Schwester Mirella, die in Amerika Karriere als Sängerin macht, spielt er – und alle diese Personen im rasanten Wechsel. Er schafft es gar, sie alle gleichzeitig auf der Bühne aus Strohballen stehen zu lassen. Was umso schwieriger ist, als alle vier begeisterte Sänger sind, allerdings nicht unbedingt mit dem gleichen Musikgeschmack.

Papa Gino singt mit Inbrunst „Volare“ und reißt das Publikum mit, Mama Conny hält es eher mit „Ein bisschen Frieden“ oder, wenn mal wieder die – natürlich immer nur angedrohte – Scheidung von Gino droht, mit „I Will Survive“. Power-Schwester Mirella besingt die „Power of Love“ und der unglücklich verliebte Angelo verballhornt während eines Telefonats mit seiner Angebeteten Jacque Brels „Ne me quitte pas“ zu einem ergreifenden „Bitte leg nicht auf“.

Das alles ist schon bewundernswert, wenn Saccoccio es fein säuberlich nacheinander tut, aber er lässt Mama und Papa gleichzeitig auf der Bühne tanzen und singen, lässt Angelo und Gino einander Wortgefechte liefern und einander an die Gurgel gehen, stellt Mama Conny und Schwester Mirella nebeneinander auf die Bühne – höchster Schwierigkeitsgrad, weil komplett ohne Kostümwechsel und weil die Botox-Schwelllippe von Mirella bei jedem Auftritt dargestellt werden muss. Lachtränen sind garantiert, wenn Saccoccio seinen Angelo fernsehen lässt: Er spielt die Daily Soap, die Kommentare Angelos, die Musik zum Film und auch die Werbeunterbrechungen gleich dazu.

Leider spielt Saccoccio das Stück nur noch ein Mal am 22. August in Wettelbostel. Hingehen, nicht verpassen! Volkstheater auf höchstem Niveau wird garantiert.

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