Umfrage: Mehrheit von Wriedels Bürgern fühlt sich im Alltag vom Raubtier beeinträchtigt

Leben im Wolfsland

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Die Mehrheit der Wriedeler fühlt sich schon jetzt durch die Anwesenheit des Wolfs beeinträchtigt. Archivfoto: dpa

Wriedel. In diesem Punkt leben die Wriedeler überhaupt nicht abgelegen: Die Mehrzahl hatte bereits Begegnungen mit Wölfen oder hat die Raubtiere wenigstens gesehen. Das ist das Ergebnis einer Umfrage zum Thema Wolf, die von der Gemeinde Wriedel durchgeführt wurde.

Die Ergebnisse stellte Bürgermeister Werner Harneit der AZ gestern vor.

Demnach wurden im Rahmen der im Juli gestarteten Umfrage 199 Fragebögen von Einheimischen abgegeben, 106 von ihnen kennen den Wolf nicht nur vom Hörensagen. „Wurde mit meinem Hund schon zweimal von einem Rudel (sechs Tiere) umstellt, am Vormittag und dicht am Dorf“, schreibt ein Bürger und fügt hinzu: „Ein beängstigendes Gefühl. Unser Hund geht deshalb ungern noch Gassi.“

125 Befragte fühlen sich durch die Anwesenheit der Raubtiere eingeschränkt. „Als Joggerin gehe ich nicht mehr alleine laufen“, schreibt eine Bürgerin. Eine oder ein anderer hat notiert: „Ich habe Angst um meine Kinder.“ Die meisten Befragten lassen den Nachwuchs nur mit Erwachsenen (49), in Gruppen (10) oder gar nicht in den Wald. Lediglich 35 Teilnehmer fühlen sich in der freien Landschaft nicht beeinträchtigt.

Werner Harneit.

„Die deutliche Mehrheit will die Wölfe in dieser Form nicht“, sagt Bürgermeister Harneit, der die Umfrage angeschoben hat. In Zahlen: 66 Befragte sehen das Ausmaß der Wolfspopulation kritisch, 88 sind grundsätzlich gegen die Anwesenheit des Wolfs. „Wir sind das Sprachrohr für eine schweigende Mehrheit“, folgert Harneit. Die Ergebnisse hat er auch Bevensen-Ebstorfs Bürgermeister Hans-Jürgen Kammer und Landrat Dr. Heiko Blume überreicht. Viele trauten sich nicht, ihre Bedenken offen auszusprechen: „Es ist nicht opportun, sich gegen den Wolf zu äußern.“

Deutlich überwiegt die Kritik der Dorfbevölkerung an der Politik. Sie verhalte sich hinhaltend, haben 117 befragte angekreuzt, 47 meinen, es könne mehr getan werden. 169 bejahen die Frage, ob der Wolf bejagt werden solle, und zwar bis eine ausgewogene Zahl an Wölfen erreicht ist (110) oder bis zur Beseitigung aller Wölfe (52).

Harneit folgert aus der nicht repräsentativen Umfrage: „Für mich ist klar, dass seitens der Politik Handlungsbedarf besteht.“ Wenn der Wolf bereits auf den Straßen der Dörfer und auf den Grundstücken unterwegs sei, dann gehe es um den Schutz der Bevölkerung. „Hoffentlich muss nicht erst ein Unglück passieren!“, mahnt ein Bürger. Unsere Artikelsammlung zum Thema Wolf

Die Gemeinde hatte laut Harneit insgesamt 400 Fragebögen in Geschäften und bei Ärzten ausgelegt, gut zehn Prozent der Wahlberechtigten haben geantwortet. Um einen Missbrauch zu verhindern, wurden die Bögen nummeriert. Auch 44 Gäste beteiligten sich an der Umfrage, sie wurden getrennt aufgeführt.

Von Gerhard Sternitzke

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