Bürgerkritik an Neubauvorhaben in Ebstorf / Klosterflecken lässt Investoren relative Freiheit

„Hauptsache, es wird gebaut“

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So ändert sich das Ebstorfer Ortsbild: Ein traditionelles Haus an der Bahnhofstraße soll drei Blöcken mit Wohnungen weichen.

Ebstorf. Ebstorf verändert sich. An mehreren Stellen des historischen Klosterfleckens sind Baulücken entstanden, und an ihrer Stelle entstehen Neubauten, die nicht immer die Zustimmung der Bürger finden.

So wie an der Bahnhofstraße 26, wo ein Ebstorfer Investor nach Auskunft des Bauamts drei zweigeschossige Wohnblöcke mit je vier Wohnungen plant. Das traditionelle Haus an der Straßenfront soll dafür weichen. Gegen das Vorhaben formiert sich der Widerstand von Anwohnern.

Ebenfalls an der Stelle eines Supermarktes an der Hauptstraße hat die Physiotherapie neu gebaut.

„Ich habe mittlerweile den Eindruck bekommen, dass der Flecken Ebstorf seine Planung mehr oder weniger nach dem Zufallsprinzip ausrichtet“, ärgert sich der Ebstorfer Klaus-Dieter Wegner. „Eine klare städtebauliche Konzeption kann ich auch nicht erkennen. Hauptsache, es wird gebaut!“ Das Bauvorhaben füge sich nicht in die Umgebung an der Bahnhofstraße ein. Verwaltung und Politik hätten die Verschlechterung der Lebensqualität durch zusätzliche Autos in Kauf genommen und den wirtschaftlichen Interessen des Bauherrn den Vorrang gegeben, kritisiert Wegner.

An der Lüneburger Straße wurden zwei Häuser mit Wohnungen an die Umgebung im Klosterquartier angepasst.

„Wo kein Bebauungsplan existiert und eine Baugenehmigung nach dem Einfügegebot erteilt wird, besteht Baurecht“, stellt Bauamtsleiter Roland Klewwe klar. Nach Paragraf 134 Baugesetzbuch ist nur allgemein festgelegt, dass sich ein Neubau in das Erscheinungsbild einfügen müsse. Gemeint sei aber nicht unbedingt die Gebäudeform oder Baumaterialien wie Ziegelstein, sondern hauptsächlich die Höhe des Neubaus, gibt Klewwe zu bedenken. Und der Bauherr könne sein Recht notfalls vor dem Verwaltungsgericht einklagen.

Aufzuhalten sei solch ein Projekt nur durch einen Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan, so Klewwe: „Das gibt der Verwaltung die Möglichkeit, Anträge zurückzustellen, bis das Verfahren abgeschlossen ist.“ Genehmigungsbehörde ist die Uelzener Kreisverwaltung.

An der Molkereistraße sind gerade zwei Mietshäuser entstanden. Hier wurde ein früherer Supermarkt abgerissen.

Gerade fertiggestellt sind zwei neue Mietshäuser mit Pultdächern an der Molkereistraße, die vielleicht auch nicht jedermanns Geschmack sind. Derartige Wohnungen seien nun einmal begehrt, und die Bauweise entspreche eben dem Zeitgeschmack, meint der Bauamtsleiter. Ebstorf sei insgesamt ein heterogener Ort. „Man kann die Verhältnisse im Klosterquartier nicht übertragen.“

Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf weist darauf hin, dass laut Baugesetzbuch die Bebauung in den Orten verdichtet werden soll, um unnötigen Flächenverbrauch zu verhindern. Genau das passiert jetzt. Oelstorf ist auch grundsätzlich dagegen, viel Geld für einen Bebauungsplan auszugeben, um die Gestaltung der neuen Häuser zu steuern. „Ich finde eine freie Bebauung gut“, so Oelstorf. „Über Geschmack lässt sich streiten“, sagt er in Bezug etwa auch auf die Mietshäuser an der Molkereistraße. Aber der abgerissene Supermarkt habe nicht besser ausgesehen.

Von Planlosigkeit könne auch keine Rede sein. „Wir haben uns darauf geeinigt, dass besondere Vorhaben im Verwaltungsausschuss vorgestellt werden, um die Kritikpunkte der Bürger zu berücksichtigen“, berichtet Oelstorf. Im alten Ebstorfer Ortskern ist der Flecken im übrigen strenger: Hier hat der Flecken darauf gedrungen, den Neubau mit acht Wohnungen und zwei Läden auf zwei Häuser aufzuteilen und optisch an die Umgebung im sogenannten Klosterquartier anzupassen.

Von Gerhard Sternitzke

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