Helga Brockmann pflegt Beete nach britischem Vorbild

Ein Hauch England im Klosterflecken

Gärtnern aus Leidenschaft: Helga Brockmann kümmert sich ehrenamtlich um Ebstorfs Beete. Foto: Bornemann

Ebstorf. Die Hände in den Schoß legen – das ist nicht Helga Brockmanns Art. Vor allem das Grün des Klosterfleckens Ebstorf liegt ihr am Herzen. Zwei Mal pro Woche zieht die 1940 Geborene mit ihrer Hacke los – auf einer Mission: Ebstorf soll schöner werden.

Rund 150 Stunden war sie allein in diesem Jahr unterwegs – alles ehrenamtlich.

„Seit Mai 2007 kümmere ich mich um die Beete“, erinnert sich die Ebstorferin. Denn damals übernahm sie ganz offiziell die Patenschaft für Grünflächen im Klosterflecken Ebstorf – eine Aktion, die von der Unabhängigen Wählergemeinschaft Ebstorf, allen voran Heinz Kutzinski, ins Leben gerufen worden ist.

Vor allem der Domänenpark ist Helga Brockmanns Revier. Mit Handschuhen und oft auch Kopftuch ausgerüstet – die Haare stören bei der Arbeit nur – befreit sie Beete und Grünflächen von Unkraut, sammelt auch mal Müll ein, der sich zwischen den Pflanzen abgesetzt hat. Dieses Jahr waren nicht einmal die Wege vor ihr sicher: „Die waren in den Fugen zum Teil schon ganz grün“, erklärt sie die zusätzliche Mühe, die sie nur selten als drückende Arbeitszeit empfindet. „Was ich den einen Tag nicht schaffe, kommt eben ein anderes mal dran. Da bin ich ganz entspannt“, sagt sie. Was die Gartenliebhaberin aus den Büschen und Beeten herausholt, wird schließlich von den „Kollegen vom Bauhof“ entsorgt. Bescheid geben muss sie den Männern inzwischen gar nicht mehr, wann pflanzliche Abfälle abgeholt werden können. „Die wissen schon, wann ich soweit bin“, sagt Helga Brockmann. „Den Park mache ich ja schon seit 1995.“ Begonnen hatte die Rentnerin die Pflege der Ebstorfer Grünanlagen damals im Dienste der Gemeinde Ebstorf. Zehn Jahre lang war Helga Brockmann beim Klosterflecken für eben diese Arbeit angestellt – und war auch dementsprechend entlohnt worden. „Aber heute haben die Gemeinden für sowas ja kein Geld“, sagt die Rentnerin. „Dass ich für meine Arbeit nicht bezahlt werde, macht mir aber auch nichts. Wichtig ist nur, dass die Beete etwas besser aussehen, wenn ich durchgegangen bin.“

Gründe für ihr Engagement gibt es eine ganze Reihe: Zunächst einmal freut sie sich ganz persönlich über „aufgeräumte“ Beete. Und auch Gäste sollen sich in Helga Brockmanns Heimat wohl fühlen. „Wenn die es schaffen, hier Touristen her zu locken, soll Ebstorf doch gut aussehen.“

Vorbild in Sachen Gartenkunst sind für die Pflanzenliebhaberin die Gärten der Queen. „Die Londoner, die haben ihre Stadtbeete im Griff. So ein bisschen englische Landschaft in Ebstorf, das wär doch toll“, schwärmt die Ebstorferin.

Bevor der erste Frost kommt, steht nun zunächst einmal der heimische Garten an – denn den hat Helga Brockmann auch noch zu bewirtschaften. Und Ebstorfs Jugend greift die erfahrene Gärtnerin unter die Arme: „Die jungen Leute wollen ein Beet am Amtskornhaus selber gestalten und wissen aber nicht, wie das geht.“

Von Wiebke Brütt

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