Friedliche Lösung um Abholzaktion

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Der Schwienauer Bürgemeister Gustav Müller auf einem der Beweisstücke.

Melzingen. Ende Januar machte Gustav Müller, Bürgermeister der Gemeinde Schwienau, beim Spaziergang entlang der alten Frachtstraße im Waldstück Richtung Bohlsen eine Entdeckung, die ihn „ganz gehörig sauer“ machte: 15 Bäume, zwölf Eichen und drei Buchen, alle etwa 60 Zentimeter im Durchmesser, zwischen 50 bis 150 Jahren alt und hoch gewachsen, lagen gefällt auf einem Acker neben dem Bohlser Weg.

Der materielle Schaden, schätzte Müller damals, „liegt sicher im fünfstelligen Bereich. Aber der ideelle ist noch viel höher“. Und offensichtlich sollte es nicht bei den 15 gefällten Bäumen bleiben.

Müller entdeckte, dass weitere Bäume mit Farbe markiert worden waren. „Die Bäume wurden über Jahrzehnte gepflegt, damit hier eine Eichenallee entsteht“, schimpfte der Bürgermeister, der sich auch sicher war, dass die Bäume auf Gemeindegrund standen.

Verantwortlich für die Abholzungsaktion: Der Melzinger Landwirt Ingo von Meltzing, der nach eigenen Worten davon ausging, dass die Bäume auf seinem Grund und Boden standen.

„Die Bäume sind so mächtig geworden, dass darunter nichts mehr wächst“, begründete er gegenüber der AZ die Baumfällungen. Seit Jahren könne er einen mehrere Meter breiten Streifen seines Ackers nicht nutzen, denn „im Winter ist es unter den Bäumen nass, im Sommer trocken“.

Die Folge der Abholzungsaktion: Der Gemeinderat beschloss einstimmig, den Landwirt anzuzeigen.

Unabhängig davon verhandelte Müller im Auftrag des Gemeinderates mit dem Landwirt, wie der Schaden wieder gutzumachen sei.

In nicht-öffentlicher Sitzung des Verwaltungsausschusses wurden von Meltzing vier Vorschläge für Ausgleichsmaßnahmen unterbreitet.

Der Melzinger Landwirt entschied sich dafür, auf seine Kosten 30 neue Bäume pflanzen zu lassen und die Kosten die Pflege der Bäume über einen Zeitraum von 20 Jahren zu übernehmen.

„Er hat einen ökologischen Schaden verursacht, den er ausgleichen wollte“, so Müller bei der jüngsten Gemeinderatssitzung, „und er hat nicht die für ihn billigste Lösung gewählt.“ Der Gemeinderat billigte diese Vereinbarung einstimmig.

Einzige Kritik der Ratsmitglieder an der Vereinbarung: Es sei nicht vertraglich festgehalten worden, dass die Bäume nicht einfach irgendwo gepflanzt werden dürften.

„Ich gehe davon aus, dass sie nach Möglichkeit in Melzingen gepflanzt werden“, so Bürgermeister Müller.

Von Jürgen Köhler-Götze

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