Besinnliche Wanderung auf dem Schöpfungsweg von Ebstorf nach Melzingen

Eine Kathedrale im Grünen

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Fachkundig erklärt Gästeführerin Birgit Gercken die Stationen des Schöpfungsweges und die Bilder von Werner Steinbrecher.

Ebstorf. „Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist …“ 1989 schrieb Klaus Peter Hertzsch diesen Liedtext, der mit der Verheißung endet „Die Tore stehen offen. Das Land ist hell und weit. “.

Diese Gottespreisung stellt Gästeführerin Birgit Gercken am Pfingstsonnabend bei dem schon zur Tradition gewordenen Saison-Eröffnungsgang auf dem „Schöpfungsweg“ von Ebstorf nach Melzingen an den Beginn und den Schluss einer jeden Betrachtung der neun Bildtafeln längs des Weges.

1989 war auch für Werner Steinbrecher, den Schöpfer dieser Bilder, ein Wendejahr – er zog von Berlin, der trubeligen Großstadt, in das ruhige, beschauliche Allenbostel. Er fand erst nach einem abgeschlossen Architektur-Studium zur Malerei. Viele seiner Werke spiegeln den Bezug zur Architektur, betonen ihn sogar: Wie die Bilder zum „Schöpfungsweg“, einem der drei in unserer Region einzigartigen Besinnungswege.

Neun Stationen hat der fast sechs Kilometer lange „Schöpfungsweg“. Zwischen dem Prolog und dem Epilog werden die sieben Tage der Schöpfungsgeschichte dargestellt. Vom Domänenplatz geht es in die anliegende Forst, die „Kathedrale im Grünen“, so Steinbrecher. Und wirklich, dieses sich über den Weg spannende frische Buchengrün der Tannenworth und später des Bobenwaldes lässt ehrfürchtig werden. Gercken findet zu jedem Bild die entsprechende Interpretation, zeigt die von Steinbrecher gewollte Verbindung zwischen Altem und Neuem Testament auf. Sie lässt ihre Mitwanderer teilhaben daran, wie es damals war: „Und es ward Licht“. Der Strahl einer Taschenlampe auf geschlossene Augen führt aus der Dunkelheit zum Licht. Das Tohuwabohu zu Beginn wird durch das schöpferische Eingreifen ein Kosmos, endet in der Ordnung des Ganzen.

2007 begann Werner Steinbrecher nach der bildhaften Ausgestaltung des „Auferstehungsweges“ mit dem Malen der Bilder des „Schöpfungsweges“. 2007 erkrankte er an Krebs, starb 2008. In diesem von Krankheit und der Ahnung des nahenden Todes geprägten Jahr hat er in seinen Bildern den Weg gespannt vom Anfang zum Ende; zu einem Ende, das zugleich ein Neubeginn ist.

Von Folkert Frels

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