Eine lehrreiche Deutschstunde im Fahrradsattel

Ehrenamtlicher Sprachlehrer erklärt Ebstorfer Flüchtlingen lauernde Gefahren im Straßenverkehr

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Heinz Kilp (rechts) gab den Flüchtlingen in Ebstorf eine Deutschstunde der anderen Art: Gemeinsam wurden die Regeln des hiesigen Straßenverkehrs gelernt.

Ebstorf. Zu einer Fahrradtour der besonderen Art hatte Heinz Kilp, der Deutschlehrer der Flüchtlingshilfe Ebstorf, die Teilnehmer seines Kurses jetzt eingeladen.

Für Heinz Kilp war das Ziel dieses Fahrradausfluges neben der Pflege der Beziehungen und Integration eine Maßnahme zur Verkehrserziehung. Nebenbei wurden noch deutsche Begriffe aus Landschaft, Natur, Straße und Verkehr vermittelt. Eine Deutschstunde mal etwas anders.

Im Vorfeld der Tour wurden in den letzten Unterrichtsstunden die deutschen Wörter aus dem Themenbereich Verkehr eingeübt. Neben dem Einsatz zahlreicher Skizzen, Bilder und Spielzeugautos war auch eine Schrift von „willkommens-netz.de“ mit den wichtigsten Verkehrsregeln für Fahrradfahrer in Deutschland in den jeweiligen Muttersprachen sehr hilfreich.

„Trotz aller Hinweise auf die Verkehrsregeln in Deutschland und die Gefahren, die auf den schnellen Straßen lauern, brachten sich einige Radfahrer in ihrem Übermut in Gefahr“, berichtet Heinz Kilp. Er musste deutlich darauf hinweisen, dass insbesondere auf Landstraßen ohne Fahrradweg ein diszipliniertes Fahren am rechten Straßenrand erforderlich sei. Nach seinen Erfahrungen sollten alle Flüchtlinge, die ein Fahrrad erhalten, vorher einen praktischen Kurs in Verkehrserziehung durchlaufen. „Leider werden solche Kurse nur sehr selten angeboten“, bedauert er.

Der Deutschkurs der Flüchtlingshilfe Ebstorf findet seit etwa einem halben Jahr zweimal wöchentlich im Mehrgenerationenhaus am Domänenplatz statt und wird vom pensionierten Berufschullehrer Heinz Kilp geleitet. „Die Sprachvermittlung erfolgt insbesondere mit Hilfe von Bildern, Folien, Arbeitsblättern, einem speziellen Deutschbuch sowie den realen Medien unseres Lebens“, erläutert er. Insgesamt beteiligten sich während dieser Zeit schon mehr als 20 Emigranten aus Pakistan, Afghanistan, Syrien, Marokko und den Balkanstaaten. Kilp: „Im Kurs liegt der Schwerpunkt auf der Vermittlung von Begriffen aus den unterschiedlichen Lebensbereichen und dem Lernen einfacher Sätze.“ Auf einen grammatikalischen und systematischen Aufbau werde im Unterricht weitgehend verzichtet. Deshalb könnten jederzeit auch neue Teilnehmer integriert werden.

Das Radfahren machte offensichtlich Lust auf mehr: Heinz Kilp konnte auch einige Schüler für das Sportangebot des TuS Ebstorf, insbesondere für seinen Gymnastikkurs, sowie für Badminton und Volleyball gewinnen. Beim wöchentlichen Montagscafé trifft man sich außerdem wieder in einer lockeren Atmosphäre im Mehrgenerationenhaus.

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