Krippe auch nach zwei Jahren nicht ausgelastet / Widerruf von Fördergeldern droht

Ebstorf startet Elternbefragung

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Ebstorf. Die Auslastung der Kinderkrippe in Ebstorf lässt den Verantwortlichen weiter graue Haare wachsen. Zwar sind die beiden laufenden Gruppen derzeit voll besetzt – für die Inbetriebnahme der dritten geplanten Gruppen fehlen aber weiterhin Anmeldungen.

Die Fördergelder, die der Flecken für den Bau der Krippe, die im April 2010 eröffnet wurde, von Land und Bund bekommen hatte, waren jedoch für den Bau einer Einrichtung mit drei Gruppen bewilligt. Wird die letzte Gruppe künftig nicht in Betrieb genommen, drohen dem Klosterflecken Rückzahlungen beziehungsweise der Widerruf von Zuschüssen. Rund 652 000 Euro des Krippenbaus – also 75 Prozent der Kosten – waren über die Fördergelder finanziert worden.

Kritische Fragen werden bereits gestellt: In einem Anhörungsschreiben forderte die Landesschulbehörde eine Stellungnahme zum weiteren Vorgehen der Gemeinde. Denn derzeit hat der Klosterflecken nur eine Betriebserlaubnis für zwei Gruppen, ein Antrag für die geplante dritte Gruppe wurde mangels Anmeldungen noch nicht beim Kultusministerium gestellt und liegt demnach der Landesschulbehörde auch nicht vor. „Die Prognosen deuteten damals klar darauf hin, dass drei Gruppen Sinn machen. Darum sind auch alle Förderanträge für diese Auslastung gestellt worden“, erklärt Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf. „Wir sind der Ansicht, ein Teilwiderruf der Zuschüsse ist derzeit nicht zulässig.“

Um zügig Licht ins Dunkel zu bringen, beschlossen die Mitglieder des Verwaltungsausschusses in ihrer Sitzung am Dienstag nun, erneut den Bedarf hinsichtlich Krippenbetreuung im Klosterflecken abzufragen. Oelstorf: „Wir können nicht auf Teufel komm raus eine dritte Gruppe eröffnen, nur weil uns die Angst im Nacken sitzt.“

2009 hatten die Ebstorfer ihre Entscheidung für den Bau einer Krippe, die Platz für 45 Kinder bietet, auf eine Elternbefragung und den Kindertagesstättenbedarfsplan des Landkreises gestützt – Berechnungen, die bisher nicht aufgingen. „Wir werden die Befragung der Eltern schnellstmöglich umsetzen. Die Ergebnisse sind wichtig für die Eltern und unsere Haushaltplanungen“, erklärt Oelstorf. Wenn die dritte Gruppe für die unter Dreijährigen in der Fischerstraße an den Start gehen würde, würde das für den Flecken eine finanzielle Mehrbelastung von 22 000 bis 30 000 Euro bedeuten – je nachdem wieviele Kinder dort über welchen Zeitraum betreut werden.

Zu den Gründen, die dazu führen, dass weniger Eltern als angenommen ihre Kinder in der Krippe anmelden, gibt es mehrere Theorien: Von unflexiblen Betreuungszeiten bis hin zum Preis und dem pädagogischen Konzept der Kinderkrippe im Grundsätzlichen. Fest steht: Mit durchschnittlich 150 unter Dreijährigen allein im Klosterflecken und weiteren 100 potenziellen Krippenkindern in den Gemeinden der ehemaligen Samtgemeinde Altes Amt Ebstorf – die bei der Bedarfsplanung mit einbezogen worden waren – mangelt es nicht an genügend Kindern, um die Krippe zu füllen. „Die anderen Gemeinden haben auch Probleme ihre Kindertagesstätten zu füllen. In einem Bürgermeistergespräch haben sie darum signalisiert, dass Krippenkinder vor Ort in Familiengruppen in Kindergärten betreut werden“, skizziert der Gemeindedirektor eine verzwickte Situation. Auch mit den durch die Fusion mit der ehemaligen Samtgemeinde Bevensen „neuen Verbündeten“ – beispielsweise der Gemeinde Barum – wurden hinsichtlich Krippenauslastung Gespräche geführt. Konkrete Ergebnisse gäbe es aber keine. „Und Bad Bevensen wird selbst eine weitere Krippengruppe einrichten. Das ist beschlossene Sache“, sagt Oelstorf. „Wir müssen uns grundsätzlich Gedanken, über neue Strukturen in der Kinderbetreuung machen.“

Von Wiebke Brütt

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