Wriedels Bürgermeister Werner Harneit befragt Bürger zum Thema Wolf

„Dürfen Ihre Kinder in den Wald?“

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Dieser Wolf wurde schon oft bei Bode gesichtet – es war wohl auch dieses Tier, das dort sieben Lämmer riss.

Wriedel. „Haben Sie Angst vor dem Wolf?“ „Dürfen Ihre Kinder noch in den Wald?“ „Finden Sie, die Politik tut genug zum Schutz der Bevölkerung?“ Mit diesen und weiteren Fragen wendet sich die Gemeinde Wriedel an ihre Bürger und Gäste.

Seit Donnerstag werden die Fragebögen in der Post, Arztpraxen und dem Naturbad ausgelegt. Mindestens bis Ende August ist Zeit, die ausgefüllten Fragebögen im Gemeindebüro abzugeben, teilt Bürgermeister Werner Harneit (CDU) auf AZ-Nachfrage mit.

Bürger und Feriengäste der Gemeinde Wriedel können an einer Umfrage zum Wolf teilnehmen. FDP-Ratsherr Stefan Mertins kritisiert, dass die Aktion dem Rat nicht vorgelegt wurde.

Mit der Umfrage wolle man ein Stimmungsbild erheben, so Harneit. Sein Eindruck: Die große Politik interessiert sich nicht für die Sorgen der Landbevölkerung. Dabei sei die Bevölkerung wieder sensibilisiert, seit ein Wolf in Bode gleich sieben Lämmer gerissen hat. Die Gemeinde gebe nun das Signal: „Wir lassen die Bürger nicht alleine“, so Harneit. Auf wenigstens 300 Antworten hofft er. Das Ergebnis soll im Herbst bekanntgegeben werden.

Nicht alle sind begeistert von der Idee: „Das ist Wahlpropaganda“, ärgert sich FDP-Ratsherr Stefan Mertins aus Brockhöfe-Bahnhof. „Dieser Fragenkatalog wurde uns im Rat nie vorgelegt.“ Der Bürgermeister habe deshalb auch nicht das Recht, die Umfrage im Namen der Gemeinde zu starten.

Auch inhaltlich findet Mertins den Vorstoß verfehlt, nachdem es in der Gemeinde keine Nahbegegnungen mit Wölfen mehr gegeben habe. „Das ist doch Angstmacherei“, findet der FDP-Ratsherr. Er selbst gehe weiterhin mit Sohn (9) und Tochter (11) Pilze sammeln. Der Fragebogen aber sei einseitig aus Sicht mancher Jäger verfasst. Unter anderem wird gefragt: „Sollte der Wolf wie andere Wildtiere bejagt werden?“ Zuständig für eine Umfrage zu einem derart brisanten Thema sei das Umweltministerium.

Bürgermeister Harneit hat nach eigener Auskunft vorige Woche in der Wriedeler Ratssitzung über den Start der Umfrage informiert. Sie sei bereits seit einem Jahr gemeinsam mit der Gemeinde Eimke geplant gewesen. Nachdem sich die Eimker nicht hätten entscheiden können, sei er nun allein aktiv geworden. „Das hat mit Wahlkampf gar nichts zu tun“, betont Harneit. Und im Rat habe es auch keinen Widerspruch gegeben.

Der Fragebogen sei gemeinsam mit einem Mitarbeiter eines Meinungsforschungsinstituts ausgearbeitet worden. Dabei sei darauf geachtet worden, den Befragten keine Antworten in den Mund zu legen. Mit einer laufenden Nummer werde versucht zu verhindern, dass einzelne Teilnehmer bei der nicht repräsentativen Umfrage mehrere Bögen ausfüllen. Befragt werden sowohl Einheimische als auch Feriengäste.

Von Gerhard Sternitzke

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