Zwei Waldohreulen nach sieben Monaten in der Nähe von Lintzel ausgewildert

Drei Flügelschläge in die Freiheit

Noch sitzt die Waldohreule in den Händen von Diana Erdmann, wenig später wurde sie in die freie Natur entlassen. Foto: Bornemann

Lintzel. Drei schnelle und kräftige Flügelschläge und weg waren die beiden Waldohreulen. Sie wurden von Diana Erdmann von der Wildtierhilfe Lüneburger Heide in Mittelstendorf und Prof. Dr.

Hans Köpp von PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes) Deutschland der Wildnis übergeben – und zwar in der Nähe der Revierförsterei Lintzel.

Bei den beiden Waldohreulen handelt es sich um Fundtiere aus dem Raum Bispingen. Im August 2011 waren sie bei stürmischem Wind aus dem Nest gefallen, von aufmerksamen Spaziergängern gefunden und der Wildtierhilfe übergeben worden. „Die Spaziergänger haben gut erkannt, dass es sich bei diesen Tieren um Eulen handelt“, erzählt Diana Erdmann.

Die Wildtierhilfe weißt aber auch ausdrücklich darauf hin, dass nicht alle Tiere, die allein in der Natur sitzen, auch wirklich alleine sind. „In diesen Fällen ist es wichtig, mit uns Rücksprache zu halten, ob diese Tiere menschliche Hilfe brauchen.“

Bei den beiden Waldohreulen war es von Anfang an klar, dass sie alleine nicht überleben können. „Sie waren schätzungsweise drei bis vier Wochen alt und wären ohne fremde Hilfe eingegangen“, sagt Erdmann. Mit viel Liebe und großem Engagement wurden die beiden aufgepäppelt. „Wir bemühen uns, die Tiere sehr naturnah aufzuziehen“, erläutert Diana Erdmann. In großen Volieren bekommen die Vögel die Gelegenheit fleißig das Fliegen und Jagen zu üben. Da die Eulen erst zum Ende des Sommers in die Wildtierhilfe kamen, blieben sie länger als geplant in deren Obhut. „Wenn Winter zu lang sind, dann haben die Tiere manchmal Probleme ausreichend Nahrung zu finden.“

Nun war der große Tag der Waldohreulen aber gekommen: Mit großem Gefolge wurden die beiden Eulen in das Waldgebiet der Revierförsterei Lintzel des Niedersächsischen Forstamtes Oerrel gebracht. Hier sollen die Nachtgreife eine neue Heimat finden. „Waldohreulen mögen Waldränder und Wälder mit Freiflächen. Die naturnah bewirtschafteten Heidewälder bieten mit lichten Waldbereichen, Waldinnen- und Außenrändern für die Tiere gute Startbedingungen“, so Volker Einhorn, Leiter der Revierförsterei Lintzel. Er hatte das passende Plätzchen ausgesucht. Mit dabei auch eine Schulklasse, die ein paar Tage im waldpädagogischen Zentrum der Landesforsten verbringt. Für sie war es etwas ganz Besonderes diese Aktion mitzuerleben. Die PEFC Deutschland hatte die Patenschaft für eine der Waldohreulen und damit die Pflegekosten in Höhe von 500 Euro übernommen.

Besondere Merkmale der Waldohreule sind die orangegelben Augen und die langen Federohren. Sie jagt während der Dämmerung und in der Nacht mit geräuschlosem Flug am liebsten Mäuse und brütet in verlassenen Nestern von Greifvögeln und Krähen. Zum jetzigen Frühlingsbeginn erklingt in den Heidewäldern ihr dumpf heulender Nachtgesang. Die beiden ausgewilderten Waldohreulen können in ihrer neuen Heimat ein Alter von bis zu 28 Jahren erreichen.

Von Meike Bornemann

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