Werner Wülffcken alias „Hinnerk“ führt Touristen durch den Klosterflecken Ebstorf

Dorfausrufer mit Herz

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73 Jahre ist Werner Wülffcken alt – vom Dorfausrufer-Job im Klosterflecken Ebstorf hat der Senior noch nicht genug.

Ebstorf. „Solange ich laufen kann und gesund bin, möchte ich gern als Dorfausrufer Hinnerk weiter machen“, wünscht sich Werner Wülffcken.

Ein bisschen verwundert war er schon, dass im neuesten Flyer von einer Abschiedstour dieser historischen Ortsführung geschrieben wurde. Zwei Anfragen kamen daraufhin bereits, wohin er denn ziehen würde.

Aber – wie die AZ berichtet – gab es ja ein Treffen, um zu besprechen, wie es künftig mit dieser Art Führung durch den Klosterflecken Ebstorf laufen solle, und man einigte sich schnell, dass das Grundkonzept bewahrt bleiben möge. Es würde ihn persönlich enttäuschen, wenn er „ausgemustert“ wäre, aus welchem Grund auch immer, sagt er.

Der 73-jährige Werner Wülffcken ist ein Mann der ersten Stunde bei diesen Führungen. „Damals, also 2005, sprach mich der damalige Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf an, ob ich bei diesen Führungen mitmachen möchte, und ich habe zugesagt.“ Sechsmal jährlich führte er dann Einheimische und Gäste in einem Rundgang durch den Ort mit einzelnen Stationen. „Meist dauerten die Touren eine bis eineinhalb Stunden“, so Wülffcken, der viele Jahre lang bis zum Ruhestand beruflich für die Gemeinde Ebstorf tätig war. „Im Herbst und Winter, wenn es kalt und dunkler wurde, war es nicht immer einfach, vor allem aber, als die Rundgänge zeitlich immer länger wurden.“ Aber schnell hat der aktive Senior wieder den Blick für das Positive. „Bis zu 70 Leute sind schon mal bei einer solchen Tour mitgekommen. Oft waren Ältere mit Geh-Einschränkungen dabei. Einige waren mehrmals mit“, erinnert er sich. „Rund 1300 Besucher wurden insgesamt gezählt. Davon etwa ein Drittel Touristen. Gerade die Begegnungen beim anschließenden Beisammensein waren nett, ob nun mit Berlinern, Bayern oder interessierten Menschen von sonst wo.“

Man spürt deutlich, mit wie viel Herzblut er bei seinem Ausruferdienst ist, manchmal für die Gäste auch Heidesträußchen band und ihnen oft ein offenes Ohr schenkte. Die Rückmeldungen seien stets positiv gewesen. Nur zweimal habe er gefehlt, als er 2012 einen Schlaganfall erlitten hatte. Inzwischen hat er mit dem 20-jährigen Andreas Schmidt einen „Lehrling“, der sogar bei der Ausrufer-Meisterschaft aktiv dabei war. Kennen gelernt haben sich die beiden über die Ebstorfer Schützengilde.

Werner Wülffcken, geboren in Wulfsode, ist seit 1977 Ebstorfer und hat sich stets intensiv und auf vielfache Weise für den Ort ehrenamtlich engagiert. Das wurde auch 2005 mit der „Goldene Ähre“-Auszeichnung in besonderer Weise gewürdigt. Ob nun in der Schützengilde, als Kreismusikleiter, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Ebstorf, Mitgestalter des Ortsbildes oder als Markmeister in Wriedel – „das außerordentliche Engagement und die Hilfsbereitschaft“ hat er vom damaligen Bürgermeister Martin Oesterley beurkundet bekommen.

Mit viel Einsatz hat Wülffcken im vergangenen Jahr auch beim Weihnachtsmarkt mitgemacht. Und auch jetzt ist er weiter am Schaffen und Werkeln und seine Holzarbeiten nehmen Form an. Was und wozu, wird noch nicht verraten.

Von Ute Bautsch-Ludolfs

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