Gruppenstruktur in Diskussion: Ebstorfer Anhänger von Waldpädagogik wollen Angebot erhalten

Demo mit Mütze und Schal

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Kleine Wald-Fans ganz groß: Eltern demonstrierten zusammen mit ihrem Nachwuchs vor dem Ebstorfer Rathaus – ein Engagement, das beeindruckte: Vor vollem Haus diskutierten anschließend Politik, DRK und Verwaltung mit den Mitgliedern des Fördervereins für Waldpädagogik.

Ebstorf. Sorgfältig bemützt, die Jacke bis zum Hals geschlossen und wetterfeste Stiefel an den Füßen – so stürmte am Mittwochabend eine ganze Horde Waldkinder den Sitzungssaal des Ebstorfer Rathauses. Denn in der Sitzung des Sozialausschusses ging es um ihre Zukunft.

Genauer gesagt, die künftige Struktur der Kindergartengruppen im Klosterflecken Ebstorf – und dabei standen eben auch die drei Waldkindergartengruppen zur Diskussion.

Taten ihre Sorgen kund: Ebstorfer Freunde von Waldpädagogik.

Zur Ausgangslage: Derzeit werden in Ebstorf drei Waldkindergartengruppen für jeweils 15 Kinder, drei Vormittagsgruppen im Amtskornhaus mit jeweils 25 Plätzen, eine Nachmittag- (zehn Kinder) und eine Ganztagsgruppe (25 Kinder) angeboten. „Damit hält Ebstorf die vielfältigste Kinderbetreuung überhaupt im Landkreis bereit – noch vielfältiger als in Uelzen“, kommentiert Peter Vogt vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), das Betreiber aller Einrichtungen ist. Doch während DRK und Verwaltung in den vergangenen Jahren Wartelisten für die Kinderbetreuungsplätze schreiben mussten, blieben die Anmeldungen für das kommende Kindergartenjahr, das am 1. August beginnt, im Klosterflecken unter den Erwartungen. Bis kurz vor der Fachausschusssitzung lagen dem DRK 116 Anmeldungen zum 1. August und 29 Voranmeldungen über das kommende Kindergartenjahr verstreut vor – und das für 155 derzeitige Plätze.

Das Angebot übersteigt demnach den derzeitigen Bedarf – ein Verhältnis, das angesichts der Sparmaxime, der der Klosterflecken wie die gesamte Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf durch den Zukunftsvertrag mit dem Land Niedersachsen unterliegt, diskutiert werden muss.

Fünf Modelle, wie gespart werden könnte, hatte Vogt im Gepäck: von dem Wegfall einer Nachmittags- oder einer Waldgruppe bis hin zur Verkleinerung einer Vormittagsgruppe oder sogar der Kombination verschiedener Angebotsausdünnungen.

Während die Fraktionen angesichts der unterschiedlichen Strukturvarianten und den damit verbundenen Rechenexempeln weiteren Beratungsbedarf anmeldeten, war den Zuhörern im prall gefüllten Zuschauerraum – unter denen sich eben auch die Kinder der Waldgruppen eingefunden hatten – eines klar: An der Waldkindergartenpädagogik darf nicht gespart werden. „Der Wald hat gute Freunde. Wir wollen mit ihnen gemeinsam über Möglichkeiten sprechen, welchen Beitrag wir leisten können, alle drei Waldgruppen zu erhalten“, betonte Katja Reinke, Vorsitzende des Ebstorfer Vereins zur Förderung von Waldpädagogik während einer Sitzungsunterbrechung. In einem offenen Brief an Verwaltung und Politik hatte der Förderverein bereits im Vorfeld der Sitzung auf seine Sorgen aufmerksam gemacht, die Waldgruppen könnten beschnitten werden (AZ berichtete). Bereit sind die Eltern sowohl zur finanziellen als auch zur ehrenamtlichen Unterstützung der Waldgruppen – wenn es dem Erhalt des Angebots diene. Denn ihrer Ansicht nach müssten acht der bisher vorliegenden Anmeldungen für den Waldkindergarten auf Hausgruppen umverteilt werden, wenn zum 1. August eine Waldgruppe geschlossen würde. Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf gingen die Vorschläge der Eltern nicht weit genug. Er forderte „Konkretes“ vom Förderverein. Eine Position, die vehementen Widerspruch von Seiten der Grünen erntete: „Es kann nicht sein, dass eine Gruppe in die Verantwortung gezogen wird und sich alle anderen zurücklehnen können. Es stehen nicht nur die Waldgruppen zur Diskussion“, sagte Gudrun Klippe.

Ergebnis der Debatte: Ein runder Tisch soll weitere Vorschläge zu Gruppenstruktur, Anmeldeverfahren und Einsparpotenzialen auf das Tableau bringen. Das entschied der Ausschuss einstimmig. Die Verwaltung wird den Termin festsetzen, bei dem Politik, Elternvertreter, DRK und Verwaltung zusammenkommen.

Von Wiebke Brütt

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