Für das kleine Dorf bei Wriedel ist das Raubtier sehr präsent / Augenzeugin berichtet von Lämmerrissen am Montag

Bode und der Wolf

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Caroline Benhöfer-Buhr saß hier in ihrem Garten, als sie sah, wie der Wolf auf der Schafweide des Nachbarn sieben Lämmer riss und teilweise fortschleppte.

Bode. Sie saß gerade hinterm Haus im Garten und genoss den Blick über die Wiesen. Doch dann stutzte Caroline Benhöfer-Buhr über das, was sie dort sah. „Erst dachte ich, da trägt eine Heidschnucke ihr Junges im Maul.

Dann dachte ich: So etwas tun Heidschnucken ja gar nicht. “ Für einen Augenblick hatte sie noch Dorfhund Manni in Verdacht. „Aber dann erkannte ich, dass es ein Wolf war, der ein Lamm fortschleppte. “ Caroline Benhöfer-Buhr wurde am Montagabend Augenzeugin, wie das Raubtier am Ortsrand von Bode sieben Lämmer riss. Etwas mehr als 100 Meter von ihrem Garten entfernt.

Carsten Lichte

Zuvor hatte schon ihr Nachbar Carsten Lichte bemerkt, dass auf der Weide Tumult herrschte, aber keinen Verdacht geschöpft. „Die Schnucken sind hin und her gelaufen, aber ich dachte, die freuen sich – schließlich waren sie erst vor zwei Tagen rausgelassen worden.“ Wenige Augenblicke später, gegen 20 Uhr, beobachtet Caroline Benhöfer-Buhr dann, wie der Wolf Beute macht. „Mir sind seine spitzen Ohren aufgefallen und der buschige Schwanz“, erinnert sie sich. „Er holte ein Lamm nach dem nächsten und legte sie alle einige Meter weiter ab. Als er mich gesehen hat, ist er mit einem Lamm im Maul ganz geschmeidig über einen Zaun und Bach gesprungen und weggelaufen.“

Caroline Benhöfer-Buhr ruft ihren Mann und ihre Tochter. Mit einem Fernglas verfolgen sie, wie der Wolf irgendwann weit hinten im Grün verschwindet. „Der war sehr groß und im hohen Gras gut sichtbar“, sagt sie. Als der Wolf außer Sichtweite ist, geht Caroline Benhöfer-Buhr zur Schafweide und findet dort die drei toten Lämmer. Später stellt Schafhalter Jürgen Buhr fest, dass noch vier weitere Jungtiere fehlen. Der Wolf hat sie mitgenommen.

Angst hat Caroline Benhöfer-Buhr keine, sagt sie. „Aber ich denke jetzt anders darüber“, räumt sie ein, „denn wir gehen viel im Wald spazieren. Man ist jetzt nicht mehr so unbefangen.“ Sie habe nichts gegen den Wolf, „aber das ist mir einfach zu dicht“. Viele Eltern hätten inzwischen Sorge um ihre Kinder und ließen sie nicht mehr gern allein draußen spielen. „Wenn da eines mal herumkrabbelt, ist das für den Wolf ein kleiner Vierbeiner...“, fürchtet Benhöfer-Buhr.

Iris Rogge

Die Einwohner von Bode haben den vierbeinigen Räuber schon oft gesehen. Auch Iris Rogge, die gerade mit Hund „Forest“ vorbei fährt und sich spontan dazu gesellt. „Ich fahre jeden Tag mit dem Rad durch die Felder, und bestimmt hat der Wolf mich auch schon gesehen“, sagt sie, „aber ich habe keine Bedenken.“ Sie finde es gut, dass die Wölfe da seien. „Und ich bin damit wahrscheinlich die Einzige hier im Dorf“, lächelt sie. „Ich finde, der Mensch muss der Natur auch wieder ein Stück zurückgeben.“ Natürlich täten ihr die Lämmer leid. „Aber das ist Natur. Und eigentlich muss sich der Mensch auch mal anpassen.“

Allerdings, und da sind sich alle am Tisch einig, sollte es unbürokratische und schnelle Hilfe geben, wenn der Wolf Schäden angerichtet hat. „Es wird alles Mögliche subventioniert“, sagt Iris Rogge, „dann sollte der Staat auch hier die Menschen unterstützen.“

Von Ines Bräutigam

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