Nach Mordanschlag: Polizei stürmt Wohnung eines Verdächtigen in Ebstorf

Blut des Opfers am Schuh

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Dieses Haus in Ebstorf stürmte Freitagfrüh das Sondereinsatzkommando und nahm den Verdächtigen fest.

Ebstorf. Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hat Freitagfrüh eine Wohnung an der Ebstorfer Hauptstraße gestürmt und einen 52-jährigen Bewohner festgenommen. Der Kurde soll in einen Mordanschlag in der Lüneburger Innenstadt am 5. Oktober verwickelt sein.

Bei dem Überfall auf ein Wettbüro in der Hansestadt waren mehrere Personen auf offener Straße niedergeschossen worden, der Betreiber des Geschäftes konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. Auch zwei weitere Familienmitglieder des 52-Jährigen sitzen in Untersuchungshaft.

Ein Sondereinsatzkommando der Polizei hat Freitagfrüh eine Wohnung an der Ebstorfer Hauptstraße gestürmt und einen 52-jährigen Bewohner festgenommen.

Es ist sechs Uhr gestern Früh, als ein Großaufgebot der Polizei auf der Ebstorfer Hauptstraße anrückt. Die Ermittler der Lüneburger Mordkommission haben das Sondereinsatzkommando (SEK) als Verstärkung angefordert, denn die Verdächtigen gelten als brandgefährliche Männer, die rücksichtslos von der Waffe Gebrauch machen. Polizisten mit Hunden riegeln die Hauptstraße ab. dann bricht das Einsatzkommando die Eingangstür auf. Der 52-Jährige ist überrumpelt, er wehrt sich nicht bei seiner Festnahme. Gestern Nachmittag wird ihm im Lüneburger Amtsgericht ein Haftbefehl wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung verkündet.

Der Ebstorfer soll mit Familienmitgliedern aus Bardowick im Landkreis Lüneburg den Betreiber des Wettbüros und Gäste auf offener Straße zunächst durch Schüsse und dann durch Tritte schwer verletzt haben. Dabei erlitt auch der 52-Jährige selbst Schussverletzungen – nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft durch eigenes Verschulden. Erst als Passanten auf den Überfall aufmerksam wurden, flüchteten die Täter. Die beiden 29 und 39 Jahre alten Männer aus Bardowick wurden noch am selben Abend festgenommen, auch der verletzte Ebstorfer geriet schnell ins Visier der Ermittler. Die Mordkommission beschlagnahmte seine blutigen Schuhe – und diese Spur erwies sich jetzt als Volltreffer: Das Landeskriminalamt stellte bei der Analyse fest, dass das Blut von einem Opfer stammt. Daraufhin folgte gestern die Festnahme.

Die Hintergründe für den Mordanschlag vom 5. Oktober sind noch unklar – im Gespräch sind Schutzgelderpressung, aber auch ein Bandenkrieg zwischen verschiedenen Familien. Die beiden Kurden aus Bardowick sind schon des öfteren festgenommen worden. Der Jüngere spielte vor vier Jahren beim gewaltsamen Tod eines Wirtes bei Boizenburg eine Rolle, doch die Beweislast war zu dünn. Er wurde freigesprochen. Der Ältere musste sich vor dem Landgericht verantworten, weil er 2005 auf einem Parkplatz in Lüneburg einen Syrer mit einem Geländewagen überrollte und schwer verletzte. Für eine Schutzgelderpressung fehlten den Richtern jedoch die Beweise.

Von Thomas Mitzlaff

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