Ebstorfer befürchten Nachteile durch möglichen Ausbau der Amerikalinie und Y-Trassen-Varianten

Behinderungen für Rettungsdienst?

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Die Amerikalinie führt direkt durch Ebstorf. Wird sie ausgebaut, rechnet Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf nicht nur mit steigendem Güterverkehr, sondern auch mit erhöhter Lärmemission und möglicherweise Folgen für den Rettungsdienst.

Ebstorf. „Ich glaube, die meisten haben noch nicht auf dem Zettel, dass wir auch betroffen sind“, sagt Gemeindedirektor Wilhelm Oelstorf und fährt mit dem Finger auf einer Karte die erarbeiteten Trassenführungen der Deutschen Bahn nach.

Den Klosterflecken Ebstorf tangieren zwei Varianten zur Y-Trasse, die künftig den Güterverkehr auf der Schiene entzerren könnten: Die Neubaustrecke Ashausen-Suderburg sowie die Neubautrasse zwischen Ashausen und Unterlüß mit der südlichen Umfahrung Uelzens, die einen Ausbau der so genannten Amerikalinie implizieren würde. Diese bestehende Trasse, die Bremen mit Berlin verbindet, führt über Uelzen, Soltau – und Ebstorf.

Die bisher einzige offizielle Stellungnahme der Ebstorfer Politik zu dem Thema: Anders als die Stadt Bad Bevensen hat sich der Klosterflecken der Resolution des Landkreises Uelzen angeschlossen, in der als Alternative zum Bau der Y-Trasse der Ausbau der vorhandenen Bahnstrecke Hamburg-Hannover gefordert wird. Doch das geht Ebstorfs Rathauschef Oelstorf nicht weit genug. Er will die Problematik nochmals mit der Fleckenpolitik diskutieren und die Bedenken der Gemeinde dann der Bahn mitteilen.

„Wir gehen davon aus, dass die Amerikalinie zweigleisig ausgebaut wird“, sagt Oelstorf. Und das könnte für den Klosterflecken weitreichende Folgen haben: Vier Bahnübergänge zerschneiden schon heute Straßen auf dem Gemeindegebiet – An der Bahn, an der Bahnhofstraße, an der alten Salzstraße und am Stadorfer Weg.

„Wir haben Bedenken hinsichtlich der Emissionen durch die höhere Befahrung, die ein Ausbau mit sich bringen würde“, sagt Oelstorf. Hinzu käme, dass bei Ausbaumaßnahmen kein so umfangreicher Lärmschutz von der Bahn gewährleistet werden müsse, wie bei Neubauten. „Außerdem könnte es sein, dass wegen der höheren Frequentierung der Bahnstrecke – und den damit verbundenen Wartezeiten an Bahnübergängen – Rettungszeiten nicht mehr eingehalten werden“, formuliert der Verwaltungschef eine Sorge. Die Bebauungssituation an den Gleisen bereitet ihm hingegen weniger Bauchschmerzen: Sie sei nicht so konzentriert, sodass die Errichtung von Lärmschutzwänden möglich sei. Bei einem Ausbau der Strecke würde, so die Verwaltung, auf Höhe der heutigen Straßenquerung An der Bahn, die die Verbindung nach Uelzen herstellt, eine Straßenunterführung im Trog geplant. Dabei müsse aus Sicht des Fleckens auch die Anbindung der angrenzenden landwirtschaftlichen Betriebe und Wohnungen bedacht werden.

Ein Trasseneubau zwischen Ashausen und Suderburg würde Ebstorf ebenfalls betreffen – hinsichtlich Landschaftszerschneidung und Belastung von Tieren und Pflanzen: Die Trasse würde östlich am Klosterflecken vorbeiführen und die L 250 kreuzen. „Der Klosterflecken fordert, dass bei allen aufgezeigten Ausbauvarianten negative Auswirkungen für die Anwohner, für Tier- und Pflanzenwelt und das Landschaftsbild so gering wie möglich gehalten werden“, heißt es dazu in einem Papier, das der Ebstorfer Verwaltungsausschuss für das Dialogverfahren formuliert hat, in dem die Trassenplanungen der Bahn diskutiert werden.

Von Wiebke Brütt

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