50 Bundespolizisten trainieren in Ebstorf realistisches Szenario: Bewaffneter Täter bedroht mehrere Menschen

Amokläufer im Feuerwehrhaus

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Bundespolizisten stürmen in geduckter Haltung auf das Ebstorfer Feuerwehrhaus zu. Hier soll ein Amokläufer Menschen bedrohen.

Ebstorf. Alarm in Ebstorf. Mit Blaulicht steuern kurz vor 9 Uhr vier Mannschaftstransporter der Bundespolizei die Sprengelstraße an. Schwarz gekleidete Beamte in kugelsicheren Westen springen heraus, eilen, die Maschinenpistolen im Anschlag, zum Feuerwehrgerätehaus.

Fünf weitere Bullis fahren mit Martinshorn um den Block. In geduckter Haltung und ebenfalls mit einsatzbereiter Waffe trabt ein Trupp von etwa zwölf Bundespolizisten am Zaun entlang zum Einsatzort. Schüsse fallen. Schreie sind aus dem Haus zu hören. Die Nachbarn schauen verwundert aus ihren Häusern. So ähnlich wie bei der gestrigen Übung sieht es aus, wenn die Bundespolizei vom Uelzener Hainberg zu einem Amoklauf oder terroristischen Anschlag gerufen wird.

Beamte mit Maschinenpistolen und kugelsicheren Westen sichern aus der Deckung heraus den Einsatz.

„Wenn schon Schüsse zu hören sind, können wir nicht warten, bis ein Spezialkommando kommt“, erklärt Polizeihauptkommissar Volker Menzel. Der stellvertretende Führer der ersten Hundertschaft hält per Funk von einem geschützten Standort auf einer Böschung Kontakt mit den Beamten, die sich gerade in Deckung an der Wand entlang bewegen – sie können nicht wissen, ob aus einem der Fenster geschossen wird – und dann in das Feuerwehrhaus eindringen. Zu zweit führen Beamte verletzte Personen aus dem Gerätehaus. „Man muss jeden, der sich im Haus befindet, behandeln, als könnte es der Täter sein“, erläutert Menzel.

Die Kameraden, die die Opfer mimen, tragen statt einer Wunde einen roten Fleck am Kopf. Lachen ist zu hören, die Anspannung fällt ab. Andere stellen, wo sonst Feuerwehrleute zur Schulung zusammenkommen, den mutmaßlichen Täter. Der Mann, natürlich auch ein Kollege, muss sich, von zwei Beamten mit Maschinenpistolen in Schach gehalten, mit den Händen an die Wand stellen, bevor er abgeführt wird.

Eine Szene wie im Film, nur dass die Bundespolizisten hier eine Situation üben, in die sie tatsächlich einmal geraten könnten. „Obwohl allen bewusst ist, dass es ein Übungsszenario ist, sind die Mitarbeiter angespannt“, erklärt Volker Menzel. Dazu trägt der Umstand bei, dass sie im Haus mit Kollegen aus der zweiten Einsatzhundertschaft zusammentreffen, die sie nicht kennen.

Nach 90 Minuten ist der vermeintliche Amokeinsatz beendet. Insgesamt 50 Männer und Frauen haben die Situation zweimal durchgespielt. „Es ist immer gut, wenn man in Gebäuden üben kann, die man nicht kennt“, sagt Einsatzleiter Menzel. Details werden anschließend in der Kaserne am Hainberg in der Einsatznachbesprechung ausgewertet. „Fehler können immer passieren, und die müssen wir trainieren.“

Von Gerhard Sternitzke

Fotos von der Übung

Ebstorf: Bundespolizei trainiert Amoklauf-Einsatz

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