Sozialer Brennpunkt: Schulleiterin skizziert Probleme in Grundschule Wriedel

Aggressiv und verwahrlost

In einigen Klassen hinter den Fassaden geht es „heiß“ her. Schüler gehen mit Scheren aufeinander zu und zeigen aggressives Verhalten. Lehrer und Schüler sind davon betroffen. Foto: Ph.Schulze

Wriedel. Viele Mitglieder des Sozialausschusses, Schulelternvertreter wie auch der Fachbereichsleiter des Ordnungsamtes der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf, Lothar Jessel, reagieren überrascht, als ihnen Grundschulleiterin Ulrike Opitz-Gustävel berichtet, dass sich ihre Schule mit 112 Kindern in einem sozialem Brennpunkt befindet.

„Wir haben festgestellt, dass viele Kinder mit sozialen-emotionalen Auffälligkeiten an unserer Schule sind“, übermittelt Opitz-Gustävel ihre besogniserregende Botschaft.

Sie arbeitet seit einem Jahr an der Schule und hat seither erlebt, dass die Kinder aggressiv seien und aufeinander losgingen. Personalvertreterin Renate Schlenker geht ins Detail und beschreibt ihre Beobachtungen: „Wir hatten in den letzten drei Jahren immer heftige Kinder. Ganze Klassen, in denen es heiß her ging. So sind Schüler mit geöffneten Scheren aufeinander losgegangen.“ Schulleiterin Opitz-Gustävel holt noch tiefer aus: „Bei einem Mädchen in meiner Klasse geht es sogar bis zur Verwahrlosung.“

Schlenker, die zwanzig Jahre an der Schule ist, hat in dem Zeitraum eine steigende Zunahme der Aggressivität beobachtet. Leiter anderer Schulen aus der Samtgemeinde Bevensen-Ebstorf würden Ähnliches berichten. Eine Maßnahme, mit der die Grundschule Wriedel dem Problem entgegen wirkt, sei das Sozialtraining. „Eine Sozialarbeiterin arbeitete letztes Jahr an unserer Schule, die kleine Gruppen und Klassen betreut hat“, berichtet Opitz-Gustävel. Sie hat einen Antrag bei der Landesschulbehörde gestellt, um einen pädagogischen Mitarbeiter einstellen zu können. Dieses hat die Schulleiterin im vergangenen Jahr auch erfolgreich gemacht.

Himbergens Bürgermeister Jürgen Hinrichs (SPD) empfiehlt, dass man an das Jugendamt gehen müsse, um das Kindeswohl zu garantieren. Dieses helfe in erster Linie den Kindern, betont die stellvertretende Samtgemeindebürgermeisterin, Susanne Lühr-Peschke (CDU). Ratsherr Hermann Kalinowski (CDU) ist sehr überrascht über die Situation an der Grundschule: „Ich glaube, es ist ein flächendeckendes Problem, das die Schule allein nicht auffangen kann.“

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