Bürgerinitiative startet „Trockenkot-Watching“ in der Gemeinde Wriedel

Ärger über haufenweise Mist

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Dieser Anblick störte: Inzwischen ist sind die Hühnermisthaufen abgedeckt, lange lagen sie ohne Folie auf dem Feld. Sieben Hühner-Trockenkothaufen hat die Bürgerinitiative inzwischen kartiert. Sie werden regelmäßig beobachtet.

Schatensen/Wriedel.Fast täglich streifen sie mit Digitalkameras und Stift entlang der Felder ihrer Gemeinde. Der Grund: Misthaufen. Genauer gesagt: meterhohe Haufen von Hühnerkot. „Wir machen hier Trockenkot-Watching“, sagt Jorge Wittersheim von der Wriedeler Bürgerinitiative (BI) gegen Hähnchenmastanlagen.

Seit sechs Wochen gehen die Mitglieder der BI auf ihre Patrouille, beobachten die Haufen, ziehen Proben und kartografieren sie. „Sieben Punkte haben wir in der Gemeinde Wriedel im Blick“, erklärt Wittersheim.

Aufmerksam geworden sind die Hähnchenmastgegner auf die Haufen zunächst durch ihren Gestank – je nach Wetterlage. Nach Aussage der Bürgerinitiative seien die Kotberge zeitweise nicht abgedeckt und mit Kadaverteilen versetzt gewesen, auf die Hunde beim Gassigehen ansprangen. Wittersheim: „Es war offensichtlich, dass das nicht in Ordnung war.“

Laut Bundesgesetz soll Hühnermist schnellstmöglich eingearbeitet werden. Ist eine Zwischenlagerung notwenig, müssen die Kotberge abgedeckt werden. „Sonst könnte es zu Kontaminationen kommen“, erklärt Kreisveterinär Dr. Jörg Pfeiffer. Vögel oder Wild, das in den Haufen wühlt, könnten Bakterien weitertragen. Tierteile in dem Kot sind jedoch laut Erlass des Bundesgesundheitsministeriums nicht verboten – solange die Menge nicht über das „übliche Maß“ hinausgeht. Pfeiffer: „Wenn der Kot aus den Ställen geholt wird, lässt es sich nicht vermeiden, dass tote Tierkörper oder einzelne -teile mit drin sind.“

Nachdem die BI den Landkreis auf zwei – ihrer Meinung nach – nicht richtig gelagerte Misthaufen am Rande von Schatensen ansprach, schaute sich am Donnerstag ein Mitarbeiter des Veterinäramtes auf dem besagten Gelände um. „Alles war abgedeckt und in dem Haufen waren keine Tierteile“, teilt Pfeiffer das Ergebnis der Untersuchung mit. „Wir haben uns das wegen der vielen Anfragen angesehen.“ Denn zuständig ist der Kreis eigentlich nicht. „Da es sich um Kot aus dem Inland handelt, ist die Landwirtschaftskammer zuständig und an die haben wir den Fall bereits abgegeben“, erklärt Martin Theine, Pressesprecher des Kreises.

Würde es sich um Kot aus Europa handeln, wäre der Kreis für die Überwachung der Lagerung zuständig. Theine: „Die Einfuhr von europäischem Hühnerkot hätte durch das Landwirtschaftsministerium genehmigt werden müssen und das hätte uns über die Einfuhr informiert.“ Da dieses nicht geschehen ist, geht der Landkreis von deutschem Mist aus. Die BI wird weiter auf „Trockenkot-Watching“ gehen.

„Der Kot mit den Leichenteilen wird zum Teil direkt auf das Weizenfeld gekippt. Der Weizen ist dadurch kontaminiert. Rechtlich ist das aber ok, was uns ärgert“, sagt Wittersheim. „Wir wollen nichts gegen die Bauern sagen, die sich im rechtlichen Rahmen bewegen. Uns geht es darum, dass von Seiten der Behörden abgewogen werden sollte, was richtig ist.“ Besonders im Hinblick darauf, dass bei Schatensen der Bau zweier Hähnchenmastanlagen mit jeweils 40 000 Tieren geplant ist.

Von Wiebke Brütt

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