Die Wochenrevue von Karsten Tenbrink

Dörfer warten auf die Ankunft der Zukunft

Voraussichtlich im August dieses Jahres wird eine Sonde der Nasa auf dem Mars landen und untersuchen, ob auf dem weit entfernten Planeten Leben existieren kann. Einigen Erdbewohnern im Landkreis Uelzen stellt sich im Moment eher die Frage, ob ein Leben in ihrem Heimatdorf auf Dauer noch möglich ist.

Denn die ländlichen Regionen hinken beim technischen Fortschritt moderner Kommunikationsmittel zum Teil gewaltig hinterher – und fallen dann bisweilen selbst hinter ein seit etwa fünfzig Jahren sicher geglaubtes Niveau zurück. Exemplarisch für viele kleine Ortschaften stand in dieser Woche das Dorf Dreilingen. Dass der Empfang von Mobiltelefonen sehr zu wünschen übrig lässt, daran hat man sich in Dreilingen vermutlich schon gewöhnt. Die Ortschaft liegt in einer Talmulde. Will man mit dem Handy telefonieren, begibt man sich am besten auf eine kleine Anhöhe, um vom nächsten Mobilfunkmast erfasst zu werden. Aber dass sich im Jahre 2012 ein ganz banaler Vorfall ereignet, der auch das gesamte Festnetz in dem Dorf für ganze fünf Tage außer Gefecht setzt, ist kaum zu glauben. In Dreilingen selbst erinnert man sich jedoch noch gut an den letzten Telefonausfall dieser Art: Keine zwei Jahre ist das her, damals waren die Leitungen mehr als zwei Wochen tot. Der Grund war 2010 der gleiche wie jetzt: In die unterirdisch verlegten Leitungen ist Wasser eingedrungen. Das heißt, die Isolierung hat versagt. Und das wiederum lässt auf einen maroden Zustand des verwendeten Materials schließen. Bei den Reparaturarbeiten wird in der Regel nur der unmittelbar betroffene Abschnitt erneuert, eine komplette Modernisierung der Leitungen ist viel zu kostspielig. Verständlich – aus unternehmerischer Sicht. Unverantwortlich aus der Perspektive der Menschen vor Ort. Denn mit Ausfall des Netzes sind auch Notrufe unmöglich. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn während dieser Zeit irgendein Notfall wegen zu spät eintreffender Hilfe von außerhalb ein übles Ende genommen hätte. Wie viele Jahre soll das noch gut gehen? Ganz abgesehen von der Zumutung, die solche Einschränkungen für Anwohner und die ohnehin wenigen Geschäftsbetriebe auf dem Lande mit sich bringt. Statt die Dörfer einmal dauerhaft fit für die Zukunft zu machen, werden durch die Flickschusterei an den Leitungen etliche neue Fehlerquellen geschaffen. Oder setzt man auf die Hoffnung, dass mit dieser Scheibchen-Taktik die Zeit überbrückt werden kann, bis auf dem Mars vielleicht eines Tages eine neue Zivilisation gegründet werden kann?

karsten.tenbrink@cbeckers.de

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