Deutscher Atomausstieg ist Sensation

Die Eurokrise ist weiter der Belastungstest auf die europäischen Bindungskräfte. Bisher setzt sich das Gemeinsame immer zu spät, unvollständig und intransparent durch. Für Deutschland und alle anderen Europäer bleibt lohnend, auf die Solidarität und auf Reformen in Griechenland und anderen Krisenländern zu setzen.

Gerade in Deutschland müssen wir uns immer bewusst sein, dass ein großer Teil unseres Erfolges wegen und durch die EU möglich ist. Sicher raus aus der Krise geht es aber nur, wenn die Finanzmärkte viel stärker reguliert werden und die Europäer sich auf mehr gemeinsame Wirtschafts- und Haushaltspolitik verständigen. Das Vertrauen von Bürgern in dieser Krisensituation kann nur gewonnen werden, wenn wir nachvollziehbarer entscheiden als bisher und dafür sorgen, dass die Lasten der Krise gemeinsam getragen werden. Der deutsche Atomausstieg ist in Brüssel die Sen- sation. Ich erlebe, wie die Entscheidung zur sofortigen Stilllegung der Hälfte des Atomprogramms und ein Plan, den Rest in einem guten Jahrzehnt zu ersetzen, in allen Nachbarländern die Entscheider neu zum Nachdenken über ihre Atompläne bringt. Ich werbe für Zustimmung dafür, dass Bundeskanzlerin Merkel diesen Ausstieg machen muss, den wir immer wollten. Ich werbe auch für Zustimmung aus der Überzeugung, weil die Breite des politischen Bündnisses – und dazu zählen jetzt ja auch alle Ministerpräsidenten aller Länder – für die Haltbarkeit der Entscheidung steht. Gegen das ungeeignete Endlager in Gorleben werden wir weiter mit allen Kräften kämpfen müssen. Wer meint, im November zu Hause bleiben zu können, irrt sich. Ohne unseren Druck von der Straße wäre es nicht zur jetzigen Entscheidung gekommen. Und ohne weiteren Druck wird es keinen Neu- beginn in der Endlagersuche geben.

Von Rebecca Harms

Rebecca Harms stammt aus Uelzen, lebt in Lüchow-Dannenberg und sitzt seit 1999 für die Grünen im Europa-parlament.

Kommentare