Dabei sein ist der Gewinn

Gestern war Anpfiff, die Fußball-EM ist eröffnet, und in den nächsten drei Wochen werden viele bei den Spielen „unserer Jungs“ mitfiebern. Die Begegnungen zwischen den Mannschaften werden manchen Abend und die Gespräche und Schlagzeilen am Tag danach beherrschen.

Ich erinnere mich gut: Zwölf Jahre alt war ich beim Endspiel der Fußball-WM 1974 Deutschland gegen die Niederlande und verbrachte die Sommerferien auf einer Freizeit der evangelischen Jugend. Die Betreuer hatten einen klapprigen Fernseher organisiert, vor dem wir gebannt saßen. In der ersten Minute Foul an Johan Cruyff, Neeskens verwandelt den Strafstoß, Führung durch die Holländer so kurz nach Beginn, dann nach einer halben Stunde Elfmeter für Deutschland, Breitner schießt und trifft und dann der legendäre Siegtreffer durch Gerd Müller. Was war das für ein Jubel, welche Begeisterung, „wir“ waren Weltmeister, die Namen der Spieler wusste ich lange Zeit auswendig.

Fußballspiele schaue ich mir gelegentlich immer noch gerne an, und ein gutes Spiel kann mich nach wie vor mitreißen. Heutzutage habe ich manchmal eher Mitleid mit den Verlierern. Ein kleiner Fehler, eine schlechte Tagesform oder eine umstrittene Entscheidung des Unparteiischen ziehen oft bittere Niederlagen und Enttäuschungen nach sich. Die Anstrengungen vieler Trainingsstunden und mancher Entbehrungen scheinen umsonst. Die Medien sprechen vom Versagen, dem rauschenden Höhenflug folgt unsanft die Bodenlandung.

Wie gut, dass wir bei Gott nicht so schnell abgemeldet sind! Entscheidend im Glauben ist die Idee: „Dabei sein ist alles!“ Und das heißt übersetzt: Gott vertrauen, die Mitmenschen achten und respektieren, Liebe üben, Gemeinschaft leben. Eine Bewertung nach Sieg oder Niederlage vollzieht Gott nicht. Patzer und Fehler sind erlaubt, Rekorde und Auszeichnungen nicht entscheidend. Es kommt darauf an, den Glauben überhaupt zu wagen, auch wenn es Enttäuschungen gibt. „Dabei sein ist alles“ – eine Devise, die unser Leben bereichert und Gott freut – nicht nur in diesen Wochen der Fußball-EM.

Anne Stucke ist Pastorin in Ebstorf. Das Wort zum Sonntag finden Sie auch unter: www. az-online.de/lokales/ kolumnen

Von Anne Stucke

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