Meine Woche in ...

Castor-Transport trotz unklarer Strahlenwerte

Kirsten Lühmann

Wer geglaubt hat, die Jahre der gesellschaftlichen Konfrontation in der Atompolitik wären endlich vorbei, muss sich vor dem nächsten Castor-Transport eines Besseren belehren lassen. Nachdem jüngst Messungen Strahlenwerte über den erlaubten Grenzwerten nahe der Gorlebener Zwischenlagerhalle nahelegten, ignoriert die Bundesregierung diese Fakten. Schwarz-Gelb ließ einfach so oft neu messen und Messwerte neu berechnen, bis die Zahlen unter den erlaubten Grenzwerten lagen. Für mich ist das reines „Rumgetrickse“, um den Transport durchzupauken. Keine Rücksicht auf die möglichen zusätzlichen Belastungen für die betroffene Bevölkerung und die den Transport begleitenden Polizisten und Polizistinnen. Ich dachte eigentlich, wir wären gesellschaftlich nach Fukushima und dem Atomausstieg schon einen Schritt weiter. Wo bleibt hier die Fürsorgepflicht der Bundesregierung? Die Kanzlerin wäre in dieser Frage aus meiner Sicht persönlich gefordert, ein Machtwort zu sprechen. In der Frage der atomaren Strahlung darf nicht mehr Spielraum bei Grenzwerten herrschen, als beispielsweise bei den Lärmemissionen einer Diskothek. Die wird nämlich geschlossen, wenn sie lauter ist, als in der Genehmigung vorgeschrieben. Der niedersächsische Innenminister Schünemann verwies dann auch noch darauf, dass die Anmietung der Wohncontainer für die Polizeikräfte Millionen gekostet habe. Deshalb könne der Transport nicht bis zur endgültigen Klärung der unterschiedlichen Messergebnisse verschoben werden. Man muss den Eindruck gewinnen, finanzielle Aspekte sind wichtiger als die möglichen gesundheitlichen Gefährdungen. Die Oppositionsfraktionen haben daher am letzten Donnerstag mit entsprechenden Anträgen versucht, den diesjährigen Transport von Atommüll ins Wendland zu verschieben. Wir brauchen genügend Zeit für Maßnahmen zum besseren Strahlenschutz. Leider haben die Regierungsfraktionen dies abgelehnt. Meine persönliche Reaktion auf diese Verweigerungshaltung der Regierung ist deshalb wie im letzten Jahr die Beteiligung am SPD-Castor-Camp an der geplanten Transportstrecke. Hier kann jeder Bürger und jede Bürgerin mitdiskutieren und deutlich machen, was die Region von solcher „Vorsorge“ hält. Mehr Infos dazu finden Sie unter www. gorleben-soll-leben.de.

Kirsten Lühmann ist SPD-Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Celle/Uelzen.

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