DRK und Landfrauen organisieren in Bienenbüttel erste „Fehlkaufkleiderbörse“

Zweite Chance für Schrankhüter

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Kleider über Kleider: Anne Päper hilft, die gespendeten Teile zu vermitteln.

Bienenbüttel. Die Beziehung von Doris Meyer und ihren schwarzen Lackpumps stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Just an jenem Tag, als die edle Neuanschaffung an. den Füßen der 56-Jährigen ihren ersten großen Auftritt feiern sollte, zeigten die Schuhe ihr unbequemes Gesicht.

Vorbei war die kurze Liebe: Statt zur Hochzeit wanderten die Pumps für lange Zeit in die dunklen Tiefen von Meyers Schuhregal.

Die schwarzen Pumps passten schon im Laden nicht wie angegossen. „Aber ich dachte: Das hältst du aus“, so Doris Meyer. 

Schrankhüter wie diese bekamen am Sonnabend in Bienenbüttel eine zweite Chance: Bei der ersten „Fehlkaufkleiderbörse“ von DRK und Landfrauen wurde kaum und Ungetragenes an den Mann beziehungsweise die Frau gebracht. Mit von der Partie: Monika Warnecke, der eigenen Beschreibung nach vom Shopping-Typ „Wenn, dann richtig“. An ihrer Kleiderstange im Bahnhofsgebäude gesellt sich der schwarz-weiß gestreifte Pullover-Klassiker zur knallbunten Rüschenbluse und zum frechen Punktekleid.

Experimentierfreudig sei sie in den letzten zehn Jahren in die Shoppingtempel geschritten, kommentiert die Besitzerin die bunte Sammlung – mit halbem Ohr bei Pia Witt, die ein Teil nach dem nächsten zur Kabine trägt. Dabei gesteht die 61-Jährige, selbst zuhause so einige Fehlkäufe zu horten. Was manch einen zur Schokoladendose führt, treibt Pia Witt in die Modegeschäfte: Stress und Ärger.

Happy End: Der schwarze Pullover – einstiger Fehlkauf von Monika Warnecke – gehört seit Sonnabend Pia Witt. 

Doch was tun gegen den überflüssigen Schrankballast? Anne Päper setzt auf Prophylaxe: Sie hat die professionelle Farb- und Stilberatung für sich entdeckt. Als „Sommertyp“ mache sie seither einen Bogen um Orange und helles Gelb. „Man geht danach ganz anders ins Geschäft“, schwärmt sie. Auch Doris Meyer – einzig mit dem ausgesonderten Paar Lackschuhe angereist – verfolgt eine bewährte Taktik: Ohne ehrliche Kritiker, wie es etwa die eigenen Töchter sein könnten, gehe sie gar nicht erst auf Kleidersuche. Wer keine eigenen Fehlgriffe anbot, der tat es Sonnabend für andere – und einen guten Zweck: Mehr als zwanzig Personen hatten zuvor aussortierte Teile gespendet.

Heute ist sich Monika Warnecke mit Blick auf ihre Bluse sicher: „Das bin ich einfach nicht.“ 

Bei glücklicher Vermittlung floss der Erlös – zusammen mit den Einnahmen aus dem Kaffee- und Kuchenverkauf – an die Bürgerstiftung und den Bürgerbus-Verein Bienenbüttels. Allerdings: Die Herren mussten sich bei der Premiere mit einer kleinen Auswahl begnügen, denn gerade einmal ein Mann hatte drei Sommerjacken zur Börse gebracht...

Umso vielseitiger die Auswahl in der Damenabteilung: Bodenlange Abendkleider, edle Mehrteiler fürs Büro. Was an diesem Tag nicht den Besitzer wechselte, wurde zugunsten benachteiligter Menschen gespendet. Wer das Bahnhofsgebäude verließ, tat dies am Sonnabend daher zumeist mit einem guten Gefühl, einem Kleid mehr oder weniger und vielleicht mit einem ambitionierten Vorsatz – wie Monika Warnecke. Ihrer lautet: „Nur, was 100-prozentig gefällt, kommt künftig mit.“

Von Anna Petersen

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