Ausgangspunkt der Wölfe ist der Standortübungsplatz

Wolfspaar streift durch Gemeinde Bienenbüttel: Im nächsten Jahr Nachwuchs?

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Wolf auf einer Waldwiese bei Hohenbostel, aufgenommen im Mai. Offensichtlich ist er nicht allein. Jäger in der Region rechnen damit, dass es im nächsten Jahr auf dem Standortübungsplatz Wendisch Evern Nachwuchs gibt.

Bienenbüttel. Es ist morgens um 7. 45 Uhr, als die Wildkamera auslöst. Der Wolf steht gerade auf einer Waldwiese bei Hohenbostel. Offenbar hat er etwas gehört, denn er blickt sich um, schaut in die aufgehende Sonne.

Solche Aufnahmen gibt es zahlreich aus dem Bereich Bienenbüttel. Und immer beobachten die Jäger auch zwei Tiere. Vielleicht war es ein Paar, das auf der Weide des Grünen-Landtagsabgeordneten Heiner Scholing zwei Schafe riss.

„Seit April, Mai des Jahres haben wir vermehrt Sichtungen, sowohl einzeln als auch als Paar“, berichtet Dr. Dirk Remien aus Hohenbostel, Leiter des Hegerings Bienenbüttel. „Das ist in der Regel die Vorstufe der Rudel-Bildung.“ Im nächsten Jahr könnte es also Nachwuchs geben. Alter und Geschlecht der dokumentierten Tiere seien jedoch auf den Fotos schwer zu bestimmen.

Kreisjägermeister Heinrich Hellbrügge aus Bornsen geht davon aus, dass die beiden Tiere ihren Ausgangspunkt auf dem Standortübungsplatz Wendisch Evern der Bundeswehr haben. „Da werden sie nicht gestört. Es gibt keine Spaziergänger“, erklärt Hellbrügge. Auf dem Übungsgelände der Bundeswehr seien die beiden Wölfe, die in der Regel in der Dämmerung jagen, auch am häufigsten gesichtet worden.

Im südlich angrenzenden Gebiet in der Gemeinde Bienenbüttel, vor allem im Bereich Hohenbostel-Niendorf, künden regelmäßig gerissene Wildtiere vom Hunger des Paars, das auch im Waldgebiet Süsing schon mehrfach gesichtet wurde. „Die Wölfe müssen wissen, ob das Revier, wo sie ihre Welpen aufziehen wollen, passt“, so Hellbrügge. Es sei aber auch noch möglich, dass sich das Paar wieder trenne, wenn ihm der Lebensraum nicht zusage. Ungewöhnlich sei die Ansiedlung wegen der relativen Nähe zur Göhrde, wo sich bereits ein zweites Wolfsrudel gebildet habe.

Wichtigen Aufschluss über die Bienenbütteler Wölfe erhofft sich Wolfsberater Klaus Bullerjahn aufgrund der DNA-Proben, die er bei den beiden getöteten Schafen am Ortsrand von Hohnstorf genommen hat. Voraussichtlich in dieser Woche dürften die Ergebnisse aus den Senckenberg-Institut vorliegen. Dann wisse man, ob zwei verschiedene Wölfe zugeschlagen haben. Immerhin hätten sie rund sechs Kilo Fleisch aus den Keulen der Schafe gefressen. Für sechs Schafe, die bei Niendorf gerissen wurden, sind solche Aussagen nicht möglich. Für DNA-Proben war es zu spät, und Fleischproben dürfen die Wolfsberater nicht mehr nehmen, so Bullerjahn. Dabei könne man aus den Bissspuren in der Unterhaut wichtige Schlüsse ziehen.

Dass die Wölfe sich nun auf Schafe spezialisieren, hält Bullerjahn für unwahrscheinlich: „Der Wolf durchstreift sein Territorium und nimmt mit, was er kriegen kann.“

Von Gerhard Sternitzke

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