Wilfried Bartelt gibt sein Hobby nach 35 Jahren auf

Wolf reißt auf Wiese bei Niendorf sechs Tiere: Ende einer Schafzucht

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Merino-Züchter Wilfried Bartelt aus Niendorf bei Bienenbüttel gibt sein Hobby nach 35 Jahren auf, nachdem der Wolf insgesamt sechs Tiere in drei Tagen gerissen hat: „Ich bin mir sicher, der kommt wieder.“

Niendorf. Wilfried Bartelt ist ein nüchterner Mensch. Er jammert nicht, und er macht keine großen Worte. Seit 35 Jahren züchtet der 63-jährige Niendorfer Merino-Fleischschafe, eine selten gewordene Landrasse. Viel Herzblut hat er in die Herdbuchzucht gesteckt.

Mit den besten Tieren nahm er bundesweit an Ausstellungen teil. Jetzt hört er auf. Sechs Schafe hat der Wolf innerhalb von drei Tagen auf einer Weide getötet. Der Wolf bleibt, seine Herde kann Bartelt nicht schützen. „Ich bin mir sicher: Der kommt wieder“, sagt er.

Dass der Wolf durch die Gegend streift, war bekannt. Bilder aus Fotofallen eines Jägers zeigen ein bis zwei Exemplare. Am Donnerstag schlägt das Raubtier zu. Bartelt findet fünf tote Schafe, teilweise sind sie angefressen. Die verängstigte Herde durchbricht auf der Flucht den Zaun.

Gerissenes Schaf auf der Weide bei Niendorf. Auf Entschädigung kann Bartelt nicht hoffen.

„Ich gehe davon aus, dass es der Wolf war“, bestätigt Wolfsberater Klaus Bullerjahn aus Medingen. Bei zwei der getöteten Tiere sei trotz der dicken Wolle der typische Biss in die Kehle erkennbar. Auch dass die Raubtiere gleich mehrere Schafe töten, sei nicht ungewöhnlich. Auf einer Wiese an der Ilmenau bei Grünhagen erlegte ein Wolf vor drei Jahren insgesamt 18 Stück.

Für Bartelt ist der Fall damit nicht ausgestanden. Am Sonnabend findet er erneut ein gerissenes Schaf. Weil die Kadaver durch die extreme Hitze schon mit Maden bedeckt sind, kann Wolfsberater Bullerjahn auch keine DNA-Proben mehr nehmen.

Es hätte dem Züchter auch nichts genützt. Sein Maschendrahtzaun gilt nicht als wolfssicher, zumal die Wildschweine ihn bereits angehoben haben. Vom Land kann Bartelt deshalb auf keine Entschädigung der Wolfsrisse hoffen.

„Viele Schafhalter haben schon aufgehört, weil sie die Arbeit nicht leisten können“, sagt Bartelt. Denn selbst, wenn es Fördermittel für Zäune gibt, sind diese beim Aufbau und bei der Unterhaltung mit viel Arbeit verbunden. Auf seiner Wiese sei ein Untergrabschutz für Wölfe gar nicht möglich gewesen, weil überall Baumwurzeln wachsen.

Wolfsberater Bullerjahn schlägt deshalb vor, alle Wolfsrisse ohne Bedingungen zu erstatten. Gerade Halter kleiner Schafsherden seien mit der Forderung nach speziellen Zäunen überfordert. „Da muss man die Frage nach der Verhältnismäßigkeit stellen“, so Bullerjahn.

Das Merino-Fleischschaf ist vom Aussterben bedroht. Das Land fördert die alte Haustierrasse, von der es laut Jochen Rehse, Vorsitzender des Landesschafzuchtverbandes, niedersachsenweit nur noch 400 Muttertiere gibt. Bartelt hat viel Arbeit in die Erhaltung der Art investiert. Jetzt gibt er auf: „Die Schafe den ganzen Tag im Stall zu halten, hat keinen Sinn.“

Von Gerhard Sternitzke

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