Edendorfer Fohlen für Fernost

Wirtschaftsfaktor Pferd: Reiter und Züchter sichern auch im Kreis Uelzen Arbeitsplätze

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Jobmotor Pferd: Bereiterin Thea Jelzic sorgt auf der Hengststation Völz reitet den Springpferdenachwuchs für die Kunden in China, Japan, Korea, Iran und Dubai ein.

Edendorf/Varendorf. „Das Glück dieser Erde liegt auf dem Rücken der Pferde“ – Sprichwörter wie dieses belegen, dass Reiter und Pferdezüchter weit mehr mit den edlen Vierbeinern verbindet als nur ein nettes Hobby.

In diese Liebhaberei investieren sie oft hohe Summen vom Kauf des Tiers über Sattel, Kleidung und Futter bis zu Hufschmied und Tierarzt. Kurz: Das Pferd, das als Zugtier lange ausgedient hat, ist auch im Landkreis Uelzen ein echter Wirtschaftfaktor.

„Drei bis vier Pferde ergeben einen Arbeitsplatz“, hat die Reiterliche Vereinigung errechnet. 190 000 Pferde gibt es in Niedersachsen, sie sichern rund 40 000 Arbeitsplätze. So auch in der Hengstation Sven Völz in Edendorf, die vor zwei Jahren aus Schleswig-Holstein in die Heide übersiedelte. Mit zwei Mitarbeitern hat der Besamungsexperte in dem Bienenbütteler Ortsteil angefangen, inzwischen beschäftigt er sechs zum Teil hochqualifizierte Arbeitnehmer.

Das hat seine Gründe. Die Zeiten, als in der Hengststation Zuchtstuten aus der Region vorgeführt wurden, sind vorbei. Meist müssen sich die neun Hengste mit einer prall gepolsterten Lederbank zufriedengeben, denn den aufgefangenen Samen vermarktet Völz – ebenso wie die eigene Nachzucht – auf mehreren Kontinenten. Eine angestellte Tierärztin und ein Besamungstechniker kümmern sich in dem EU-zugelassenen Betrieb darum.

„Seit letztem Jahr geht es wieder bergauf. Das Wachstum kommt aber nicht vom deutschen Markt“, erklärt Sven Völz. Kunden in China, Japan, Korea, Iran und Dubai schätzen die deutsche Zucht, bevorzugen jedoch fertig eingerittene Pferde. Auch das schafft Arbeitsplätze. Der Edendorfer beschäftig zwei Stallkräfte und zwei Bereiterinnen. Die braucht Völz auch für sportliche Aktivitäten, denn die teuren Holsteiner-Hengste aus seinem Stall nehmen regelmäßig an Turnieren teil. Die Kunden wollen neben einem langen Stammbaum edler Pferde konkrete sportliche Leistungen sehen. Auch in das Pferdegeschäft ist das Internet eingezogen. Wer züchtet, prüft auf einer Plattform bis ins zwölfte Glied die Vorfahren des Vaters. Schon für junge Fohlen aus edlem Blut werden hohe Preise gezahlt. Für das Siegerfohlen beim Edendorfer Championat mit den Genen des erfolgreichen Springhengstes Crumble flossen im Juni 20 000 Euro. Eher den lokalen Markt bedient Dr. Anne Werhahn mit ihrer Kinderreitschule. Die studierte Agraringenieurin hat eine alte Scheune in Varendorf als Reithalle umgebaut und hält zehn Schulpferde. 80 Kinder in der Woche nehmen an den Kursen teil. Das bedeutet Aufträge für mehrere freiberufliche Reitlehrer sowie eine 400-Euro-Kraft zum Ausmisten. Werhahn registriert in den letzten Jahren einen neuen Trend bei der Kundschaft. „Es gibt weniger Turniersport. Viele kaufen nur aus Liebe zum Tier ein Pferd“, hat die Varendorferin beobachtet. „Sie sind häufig nicht organisiert und wollen einfach ausreiten.“

Von Gerhard Sternitzke

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