Vorgaben des Landes für Vertretungsregelung an Kindergärten kosten Gemeinde bares Geld

Das wird teuer für Bienenbüttel

+
Mit der Nestschaukel haben Turon, Leon, Tom und Emma (von links) mächtig Spaß. Welche Probleme und Kosten die neue Vertretungsregelung im DRK-Kindergarten Bienenbüttel macht, ahnen die Kleinen nicht.

Bienenbüttel. Das wird teuer: Das Land Niedersachsen hat klargestellt, dass in jeder Kindergartengruppe auch bei kurzfristigen krankheitsbedingten Ausfällen jederzeit zwei Betreuerinnen sein müssen (AZ berichtete).

Die Kosten dieser Entscheidung bleiben an den Kommunen hängen. Für die Gemeinde Bienenbüttel mit über 220 betreuten Kindern bedeutet das Mehrkosten von 125 000 Euro oder mehr, rechnet Bürgermeister Dr. Merlin Franke vor. „Eine erneute Erhöhung der Elternbeiträge ist den Familien nicht zumutbar“, weiß der Bürgermeister.

Eine besondere Belastung sieht er für kleine Einrichtungen wie den Kinderhof Steddorf und den Waldkindergarten Bienenbüttel, der sein Quartier in der Nähe von Grünhagen hat. Auch sie müssten feste Vertretungen organisieren. „Wie soll der Verein für fünf Stunden Fachkräfte organisieren?“, fragt Franke. „Das ist existenzbedrohend.“

Für Unsicherheiten sorgt auch ein Programm zur Berechnung der notwendigen Vertretungsstunden, das vom Land an die Kindertagesstättenbetreiber verschickt wurde. „Die Berechnungsgrundlage halte ich für falsch, dass Vertretungszeiten von Tagen berechnet werden, an denen die Kita gar nicht geöffnet ist“, kritisiert Franke. „Die Berechnungsgrundlage für die ständige Vertretung ist sehr unklar“, bestätigt Peter Vogt vom DRK-Kreisverband Uelzen, der auch einen Kindergarten in Bienenbüttel betreibt. Auch er sieht noch Klärungsbedarf. „Das passt höchstens für Einrichtungen, die ganzjährig geöffnet sind. Da wurde der ländliche Raum vergessen“, meint Franke.

Entwarnung gibt das Kultusministerium in Hannover: „In der Tabelle ist nur dann der vollständige Urlaubsanspruch der Fachkräfte (zum Beispiel 30 Tage pro Jahr) einzugeben, wenn die Einrichtung keine Schließtage hat“, stellt Pressesprecher Sebastian Schumacher klar. Die Schließtage müssten natürlich nicht vertreten werden. Das hört Franke gerne, allerdings sind damit nur 40 Prozent der Mehrkosten vom Tisch.

Hart bleibt das Kultusministerium bei den kleinen Einrichtungen: „Vor dem gesetzlichen Hintergrund – Schutz von Kindern in Einrichtungen – können von den personellen Mindestanforderungen keine Ausnahmen zugelassen werden“, schreibt Schumacher. „Gerade bei eingruppigen Einrichtungen ist eine personelle Besetzung mit zwei gleichzeitig anwesenden Fachkräften allein schon aus Gründen der Aufsichtspflicht unabdingbar.“

Die Aufregung über die Vertretungsregelung, auf die das Land im Juni hingewiesen hat, kann er nicht verstehen: „In jeder Gruppe muss neben der Gruppenleitung eine zweite geeignete Fach- oder Betreuungskraft regelmäßig tätig sein. Dies ist in Paragraf 4, Absatz 3 Kindertagesstättengesetz (KiTaG) geregelt – und zwar seit 1993.“

Von Gerhard Sternitzke

Kommentare