Unter EHEC-Verdacht: Interview mit Gärtnerhof-Besitzerin in Bienenbüttel

Gärtnerhof-Besitzerin: "Wir haben keine Erklärung"

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Unter den Schuhen knirscht der Schotter, in den hohen Baumwipfeln frischt der Wind allmählich auf. Noch ist es ruhig heute Abend am Ende der Sackgasse im beschaulichen Bienenbütteler Ortsteil Steddorf.

Bienenbüttel-Steddorf. Unter den Schuhen knirscht der Schotter, in den hohen Baumwipfeln frischt der Wind allmählich auf. Noch ist es ruhig gestern Abend am Ende der Sackgasse im beschaulichen Bienenbütteler Ortsteil Steddorf.

Nur auf der Weide nebenan recken neugierig Schwarzbunte ihre Hälse, als ahnten sie, dass da etwas kommt. Denn kurz darauf bricht über den Gärtnerhof Bienenbüttel der Medienrummel los: Der Betrieb steht unter Verdacht, mit seinen Keimsprossen die Quelle des gefährlichen EHEC-Erregers zu sein. Auf der weißen Plastikklingel steht kein Name.

„Ja, hallo?“ fragt eine Frauenstimme durch die Gegensprechanlage. Durch die Fenster des weiß geputzten Gebäudes dringt schwach der Schein von Schreibtischlampen. Ob man kurz miteinander sprechen könne? „Moment, ich komme raus“, sagt die Stimme. Die Sprechanlage verstummt. Wenige Augenblicke später steht Uta Kaltenbach an dem schulterhohen grünen Metallzaun, zwei Hunde springen bellend um sie herum.

Sie könne gar nicht viel zu der Angelegenheit sagen, bittet die Gärtnerin und Geschäftsführerin des Hofes um Verständnis. Seit 1978 wird hier Bio-Anbau betrieben. Bei der Produktion werde auf Zusatzstoffe, Mineraldünger und andere Hilfsmittel verzichtet, wirbt man. Und nun sollen Sprossen, die in Trommeln mit 38 Grad heißem Wasserdampf keimen, den EHEC-Erreger tragen.

Schließlich könnten diese Bedingungen auch optimale Voraussetzungen für das Keimen anderer Bakterien sein, heißt es gestern aus dem Niedersächsischen Landwirtschaftsministerium. „Wir haben keine Erklärung“, sagt die Frau mit den kurzen Haaren und der Brille zu den Vorwürfen. Sie ruft die randalierenden Hunde zur Ruhe, lächelt kurz und verabschiedet sich dann. Über dem Gärtnerhof kehrt wieder friedliche Dorfruhe ein.

Zwei Stunden später muss die Polizei eingreifen und das Gelände des Gärtnerhofes absperren. Neugierige belagern die Zufahrt, einige Reporter versuchen, über den Zaun zu klettern. Polizeisprecher Kai Richter erklärt: „Das sind Standardmaßnahmen bei solchen Situationen". Für den Gärtnerhof aber ist es der GAU...

Von Thomas Mitzlaff

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