Pegel bei Bienenbüttel und Computermodell ermöglichen Hochwasservorhersage für den Heidefluss

Wenn die Ilmenau steigt

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Hinter Bienenbüttel passiert die inzwischen breite Ilmenau einen Pegel, der neben der Wasserhöhe auch die Fließgeschwindigkeit erfasst.

Bienenbüttel. 80 Zentimeter, soviel misst der Wasserstand in der Ilmenau bei Bienenbüttel. Das Wasser strömt träge an Wald, Wiesen und Röhricht vorbei. Unter der Oberfläche die fremde Welt der Wasserpflanzen, die sich in der Strömung bewegen. Eine Idylle.

Die Ilmenau kann aber auch anders: Zwischen 51 Zentimeter bei großer Trockenheit und 3,23 Meter beim Hochwasser 1970 schwankte der Pegel Bienenbüttel, der 14 Meter über normal Null liegt. Er ist wichtig für die Vorhersage künftiger Hochwasser. Zukünftig sind noch genauere Prognosen möglich.

Insgesamt drei Pegel aus dem Landkreis Uelzen – außer Bienenbüttel sind dies Niendorf II bei Wrestedt und Hansen – liefern der Hochwasservorhersagezentrale Hildesheim Daten. Daraus errechnet jetzt ein komplexes Computermodell mit dem sprechenden Namen „Panta Rhei“ (Alles fließt) Prognosen. Es ermöglicht ab sofort größere Vorwarnzeiten und ergänzt den bisherigen Hochwassermeldedienst in Lüneburg für die Ilmenau. Beide werden vom Niedersächsischen Landesbetrieb für Küsten- und Naturschutz, kurz NLWKN, betrieben.

Der Pegel Bienenbüttel hat für das Computermodell eine besondere Bedeutung. Hier werden nicht nur die Pegeldaten, also die Wasserhöhe, regelmäßig doppelt per Festnetz und Mobilfunk übermittelt – mit Hilfe von Ultraschall wird permanent auch die Fließgeschwindigkeit gemessen. Zusammen ergibt das die Wassermenge, die Bienenbüttel passiert. Alle Daten werden täglich von der Hochwasservorhersagezentrale ausgewertet.

„Jetzt ist alles im grünen Bereich“, sagt NLWKN-Sprecherin Herma Heyken. „Aber es gibt immer wieder Hochwasser, und dann ist es gut für die Anlieger, dass sie wissen, dass es passiert und wann es passiert.“ Zwar seien anders als an der Elbe keine Deichbrüche zu befürchten, aber Landwirte und Pferdehalter hätten die Möglichkeit, ihr Vieh rechtzeitig von den Weiden zu holen. Und in einzelnen Bereichen wie etwa an der Albertstraße in Uelzen könnten auch Wohngebäude von Extremhochwasser bedroht sein.

„Grün“ ist wörtlich zu nehmen, denn auf der Karte der Hochwasservorhersage unter www.pegelonline.nlwkn.niedersachsen.de sind die Pegel je nach Lage grün, gelb oder rot dargestellt. Wenn die Vorhersagezentrale eine Warnung ausspricht, ist dies zusätzlich gekennzeichnet. Zusätzlich gibt es eine kostenpflichtige App fürs Smartphone.

Entscheidenden Einfluss auf die Vorhersage hat das Wetter. Ausgewertet werden nicht nur Temperatur und Niederschlag, sondern auch die Luftfeuchtigkeit, die Verdunstung und die Globalstrahlung.

Gehen Unwetter mit Stark- und Dauerregen nieder, dann schwellen die Flüsse an. Deshalb sagt der Leiter der Vorhersagezentrale Markus Anhalt: „So ein Modell ist immer so gut wie die Wetterprognose.“

Von Gerhard Sternitzke

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