Sensoren in Grünhagen zählen Fahrzeuge / Seit Mauteinführung 2005 Schwerlastverkehr rückläufig

Weniger Brummis auf der B 4

Kaum einer der Autofahrer bemerkt das kleine Holzhäuschen an der B 4 bei Grünhagen, in dem die Zähldaten aus einer Sensorschleife im Asphalt auflaufen. Foto: Sternitzke

Grünhagen. Die Karawane rollt: Tag für Tag rollt der Lkw-Verkehr durch die Dörfer an der Bundesstraße 4 (B 4). Autofahrer fluchen, Anwohner verbarrikadieren ihre Grundstücke. Den Lärm können sie nicht aussperren. Die Mautflüchtlinge sind schuld, ist immer wieder zu hören.

Doch fahren die Trucker wirklich den Umweg über die Bundesstraße, um die Maut einzusparen? Und sind wirklich mehr Lastwagen unterwegs? Die AZ hat bei der Landesbehörde für Straßenbau in Lüneburg nachgefragt. Sie zählt in Grünhagen bei Bienenbüttel regelmäßig den Verkehr.

Unmittelbar neben der Fahrbahn, auf Höhe der Angelteiche, steht ein kleines Holzhäuschen. Kaum einer der Autofahrer bemerkt das unscheinbare Gehäuse, in dem die Verkehrsdaten 24 Stunden am Tag auflaufen. Erfasst werden sie von einer Sensorschleife, die in den Asphalt eingelassen ist. Anhand der Achsabstände erkennt die Technik, ob es sich um Schwerlastverkehr handelt. Und der hat seit Einführung des Durchfahrtsverbots für den überregionalen Lkw-Verkehr ab Melbeck deutlich abgenommen.

„2005 ist der Lkw-Verkehr nach Einführung der Maut drastisch angestiegen. Dann werden die Fuhrunternehmen erkannt haben, dass der Umweg über die B 4 keine Lösung ist“, interpretiert Dirk Möller, Leiter der Landesstraßenbaubehörde in Lüneburg. „Man kann sagen, dass die Lkw-Maut keine negativen Auswirkungen auf die B 4 hat.“ Dabei wird das im August 2006 ausgesprochene Durchfahrtsverbot ab Lüneburg-Häcklingen für Fahrzeuge über zwölf Tonnen Gesamtgewicht nachgeholfen haben.

In Zahlen: Von 2004 auf 2005 stieg der Schwerlastverkehr auf der B 4 in Grünhagen zunächst von 2310 Lkw in 24 Stunden auf 2840. Seitdem sind die Zahlen deutlich gesunken. 2012 zählte die kleine Schleife im Asphalt nur noch 1724 Brummis, 2013 waren es 1852. Sogar der Pkw-Verkehr nahm nicht zu, sondern reduzierte sich von 15 770 (2004) auf 15 364 (2013). Dabei könnte die Wirtschaftskrise eine entscheidende Rolle gespielt haben.

Die Polizei kontrolliert nicht gezielt auf Einhaltung der Mautbestimmungen. „Wir kontrollieren immer auch den technischen Zustand der Lkw, die Ladung und die Fahrtüchtigkeit des Fahrers“, erklärt Polizei-Sprecher Kai Richter auf AZ-Nachfrage. Erschwert würde das Identifizieren der Mautflüchtlinge, weil der Lieferverkehr im Nahbereich ja durchfahren darf und das Verbotsschild überhaupt gesehen haben muss, macht Polizeisprecher Richter deutlich: „Wir müssen dem Lkw-Fahrer nachweisen, dass er von Melbeck gekommen ist.“

Durch die Ausweitung der Maut auf weitere 1000 Kilometer Bundesstraßen sind kaum Veränderungen zu erwarten. Denn nach Auskunft des Bundesverkehrsministeriums werden zum 1. Juli 2015 nur mehrstreifige, autobahnähnliche Bundesstraßen mautpflichtig.

Von Gerhard Sternitzke

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