Ein harmloses Volkstanz-Treffen?

Feiern völkisch-rechtsextreme Familien Maitanz bei Edendorf?

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Auf dem abgelegenen Sloh-Hof bei Bienenbüttel sollen sich völkisch-rechtsextreme Familien zum Maitanz getroffen haben. Deutlich erkennbar auf dem Bild: Stefan Köster, NPD-Landeschef in Mecklenburg-Vorpommern.

Edendorf. Der Sloh-Hof bei Edendorf ist am 30. April Ziel von Autos aus der gesamten Bundesrepublik. Rund 200 Gäste reisen zum „Maitanz“ an, wie auf einem Schild zu lesen steht. Darunter viele junge Familien mit Kindern, die auf dem Gelände ihre Zelte aufbauen.

Die Festgäste sind zünftig bis traditionell gekleidet. Die Kapelle hat mehrere Akkordeons mitgebracht. Ein harmloses Volkstanz-Treffen? Die Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke ist anderer Meinung. Sie berichtet auf dem Internetportal „Blick nach Rechts“, dass sich hier jedes Jahr rechtsextreme, völkisch orientierte Familienverbände treffen.

„In der Lüneburger Heide hat sich ebenso wie in Mecklenburg-Vorpommern ein fester Kreis aus weitläufigen rechten Familienverbänden etabliert“, schreibt sie unter dem Titel „Völkischer Maitanz“. „Einige Familienmitglieder dieser sogenannten ‘Sippen’ unter anderem aus Masendorf, Toppenstedt, Bienenbüttel oder Hohnstorf fielen in der Vergangenheit im Zusammenhang mit militanten Neonazi-Gruppen, verbotenen Organisationen wie der ‘Wiking-Jugend’, der ‘Heimattreuen Deutschen Jugend’ oder als Anhänger der sogenannten ‘Germanischen Neuen Medizin’ auf.“ Die Kinder würden zu Lagern des nationalen „Sturmvogels“ geschickt. Auch Stefan Köster, Landeschef der NPD in Mecklenburg-Vorpommern, soll demnach mitgetanzt haben.

„Als völkisch bezeichnet man eine radikal-nationalistische Einstellung, die die Menschengruppe, zu der man sich zugehörig fühlt, das eigene ‘Volk’ verabsolutiert und als (ethnisch) reine Gemeinschaft definiert“, erklärt die Bundeszentrale für politische Bildung den Begriff.

Der Niedersächsische Verfassungsschutz hat die zugrundeliegenden Netzwerke im Blick, bestätigt Behördensprecher Frank Rasche auf AZ-Nachfrage. Es sei bekannt, dass in den Landkreisen Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg einzelne Familien aus dem Bereich der völkischen Organisationen lebten, teilweise seit Generationen. „Zum Selbstverständnis der Mitstreiter gehört die Durchführung von Brauchtumsfeiern, aber auch Kinder- und Jugendlagern sowie Volkstanz- und Musikwochenenden“, erklärt Rasche. Sie dienten dem Zusammenhalt der Gemeinschaft.

Zu den Teilnehmern früherer Treffen gehörten laut Andrea Röpkes Bericht auch Baldur und Antje B., sogenannte völkische Siedler aus der Altmark, deren vierjährige Tochter Sighild 2009 starb, weil die Eltern der Diabetikerin unter Einfluss der „Germanischen Neuen Medizin“ zu lange kein Insulin gegeben hatten. Die Familie lebte zu diesem Zeitpunkt in Wieren.

Rechtsextremismus-Expertin Röpke verlangt in ihrem Bericht mehr öffentliche Aufmerksamkeit für rechtsextreme Brauchtumsfeiern: „Denn hier werden NS-Traditionen, Elitegebaren und ‘Volksgemeinschafts’-Gedanken ungefiltert auch an die Kinder weitergegeben.“

Von Gerhard Sternitzke

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