Vikar Tobias Heyden in Bienenbüttel will den Menschen wahrnehmen, so, wie er ist

Mit allen Macken und Tränen

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Tobias Heyden wird ab dem kommenden Monat in Bienenbüttel mit in die Pastorenarbeit einsteigen. Dann beginnt er sein Vikarsamt neben dem Pastor Jürgen Bade.

Bienenbüttel. Dass Tobias Heyden Pastor werden wollte, wusste er schon mit vier Jahren. „Meine Eltern waren mit dem Dorfpastor befreundet. Der hatte ein Klavier zu Hause, und ich war fasziniert von diesem Klavier“, erzählt Heyden.

„Dann hatte ich wohl beschlossen, dass ich auch Pastor werden will – wegen dieses Klaviers“, denn der kleine Tobias dachte offenbar, nur Pastoren haben Klaviere. Später revidierte er diesen Eindruck. Dass er aber Pastor werden wolle, das blieb. Seit Oktober ist er nun als Vikar der Kirchengemeinde Bienenbüttel zugeteilt, ab Februar wird er Pastor Jürgen Bade in seiner Arbeit unterstützen.

Die Gründe, Pastor zu werden, haben sich selbstredend seit damals verändert. Später las der heute 27-Jährige die Kinderbibel, die zehn Gebote fielen ihm auf. „Wenn alle danach leben würden, wäre die Welt friedlich und schön, dachte ich dann“, erzählt er. Dann schließlich wurden seine Gründe schließlich „erwachsen“: „Es gibt keinen anderen Beruf, der den ganzen Menschen wahrnimmt, mit all seinen Macken, Tränen und ihrer Freude“.

Während seiner Ausbildung war er unter anderem Seelsorger im Altersheim – und das nicht nur für Christen, sondern auch für Muslime oder Unreligiöse in Berlin. „Menschen, so wie sie sind“, hat er erlebt, „unabhängig von ihrem Erklärungsmuster“, also ob unreligiös oder von einer anderen Religion. „Ich muss den Menschen nicht erklären, wie sie leben sollen“, sagt er, „aber ich kann für den Menschen da sein.“ Darin sieht er auch das Wirken Gottes – im Tun füreinander. Und darin, dass Menschen Hoffnung und Kraft aus dem Glauben schöpfen.

Sein erster Eindruck von Bienenbüttel? Heyden erzählt als Antwort, wie die Vikare beim Priesterseminar eine Karte mit einem Bild wählen sollten, das ihren ersten Eindruck ihres Arbeitsortes beschreibt. Er wählte ein Bild einer Tasse voll fettem, dicken Kakao. „Ich möchte hier lernen. In Bienenbüttel wird es viel geben, was mich prägt für meine künftige Arbeit als Pastor“, meint er. Während seiner Ausbildung hatte er es vermisst, tief in das Gemeindeleben einzusteigen. In Bienenbüttel ist ihm schon bewusst, dass allein baulich viel geschehen wird mit der Umgestaltung des Bereiches um die Kirche.

Viel private Zeit wird Heyden nicht haben, das ist ihm bewusst. Ein Pastor ist eine öffentliche Person, die nicht „abschalten“ kann. „Von 8 bis 16 Uhr arbeiten, und dann aufhören, das wird nicht gehen“, sagt er. Und das wusste er lange bevor er Vikar wurde. Dennoch will er wertvolle Momente der Freizeit mit seiner jungen Familie erleben, wenn er nicht mit ein wenig Sport versucht, das viele Sitzen auszugleichen. Seine Frau Philippa und er haben vor einem Jahr einen Sohn, Jakob, bekommen, und den will er sehen, wann es geht. Einjährige lernen quasi wöchentlich bis täglich etwas neues. Jakobs neuester Trick: „Er hat sich hingestellt und das erste Mal einen Ball getreten“, sagt der junge Vater. Er selbst, der vor 23 Jahren das Klavier des Dorfpastors als Anlass nahm, Pastor werden zu wollen, kann übrigens bis heute nicht Klavier spielen.

Von Kai Hasse

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