Cradle-to-Cradle in Lüneburg: Von kompostierbaren T-Shirts bis zu Feinstaub bindenden Teppichen

Der Traum der abfalllosen Welt

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Professor Dr. Michael Braungart gilt als einer der Väter von Cradle to Cradle. Das Ziel ist es, keinen Abfall mehr zu produzieren, indem Produkte kompostierbar oder Rohstoff für ein anderes Produkt sind.

Lüneburg. Kompostierbare T-Shirts, Turnschuhe, deren Sohlenabrieb sich biologisch abbaut, oder Teppiche, die aktiv Feinstaub binden – das sind nur einige der Innovationen, die sich aus der Idee des „Cradle to Cradle“ des Chemikers Professor Dr. Michael Braungart entwickelt haben.

In seinem gleichnamigen Buch, erklärt er, dass es keinen Müll geben darf, sondern ein abgenutztes Produkt entweder kompostierbar oder Rohstoff für ein neues Produkt sein muss. Von der Produktion oder Wiege (Cradle) bis zur Produktion. Um das Zeitalter der Wiederwertung geht es auch beim Cradle-to-Cradle-Kongress an der Lüneburger Leuphana Universität Lüneburg, der am Freitag, 23. September, in der Hansestadt startet und in dem sich Menschen aus Politik, Wirtschaft, Forschung und der Gesellschaft austauschen werden.

„Wir müssen einfach intelligent leben wie die Ameisen, dann produzieren wir keinen Abfall mehr“, erklärt Braungart auf seiner Homepage. Denn ein Produkt, das einfach nur Abfall ist, sei nichts anderes als einfach nur schlechte Qualität. Jetzt könne man viel bessere Produkte schaffen, die wieder in technische oder biologische Kreisläufe zurückgehen. Daher gebe es dabei schlussendlich auch keinen Abfall mehr, ist Braungart überzeugt. Er hat fünf Professuren inne und reist von Kongress zu Kongress, um Firmenchefs und „normale Menschen“ von seiner Idee zu überzeugen. Der Hauptunterschied zwischen seinem Ansatz und dem traditioneller Umweltfachleute sei der, dass er den Menschen als Chance ansehe, während andere in ihm nur eine Belastung sehen würden. „Es geht nicht ums Verzichten, Vermeiden, Sparen, sondern um eine Kultur der Großzügigkeit, damit auch andere Lebewesen unterstützt werden“, so Braungart.

Dass er mit seiner Idee Erfolg hat, davon ist der Gründer und Geschäftsführer der „Environmental Protection Encouragement Agency Internationale Umweltforschung GmbH“ überzeugt. Schließlich sei seit Erscheinen seines Buchs vor 14 Jahren schon eine Menge erreicht worden. Inzwischen gebe es tausende Cradle-to-Cradle-Produkte.

Auf dem Kongress selbst wird Braungart seine Ideen am Freitag um 18 Uhr in einem öffentlichen Vortrag im Hörsaal 2 der Leuphana vorstellen. Auf dem Kongress beschäftigt sich die Cradle-to-Cradle-Initiative dann mit der Belastung der Meere mit Plastik und wie man diese Verschmutzung durch Cradle to Cradle in den Griff bekommen könnte oder welche Bedeutung die Ideen bei den erneuerbaren Energien spielen.

Von Lars Lohmann

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