Gericht weist Klage gegen Chip-Pflicht für Fohlen ab

Tradition oder Tierquälerei? Züchter halten am Schenkelbrand fest

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Traditionell werden Fohlen mit dem Zeichen des Zuchtverbands und einer Nummer gekennzeichnet. Tierschützer halten den Einsatz des Brenneisens für Tierquälerei. Pferdezüchter verweisen auf schmerzhafte Entzündungen des seit 2009 vorgeschriebenen Chips.

Edendorf. Für Thomas Schröder ist die Sache klar: Das Brandzeichen bei Ponys ist Tierquälerei. Der Präsident des Deutschen Tierschutzbunds begrüßt daher die Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster.

Die Richter haben die Klage des Ex-Reitprofis und mehrfachen Olympiasiegers Klaus Balkenhol (75) zurückgewiesen, der sich gegen die seit 2009 geltende Pflicht gewehrt hatte, neu geborene Fohlen mit einem Chip zu kennzeichen. Hannoveraner-Züchter Balkenhol hatte darauf gepocht, der Pflicht zur fälschungssicheren Kennzeichnung sei auch durch das traditionelle Brandzeichen in Verbindung mit Pferdepass und DNA-Proben Genüge getan.

Schröder sieht das Urteil als ersten Schritt: „Es macht aber auch klar, dass wir endlich ein Verbot des Brandzeichens brauchen, denn immer noch halten Züchter an der grausamen Tradition fest – und das nur aus Prestigegründen“, wie der Tierschützer-Präsident überzeugt ist. Aus seiner Sicht ist die traditionelle Kennzeichnung nicht mehr notwendig: „Das Chippen der Pferde ermöglicht eine sichere Identifizierung ohne Tierleid.“

Jedenfalls aus Tierschützer-Sicht. Denn viele Pferdezüchter berichten von anderen Erfahrungen. Mit einer Kanüle wird der reiskorngroße Transponder in den Halsmuskel der Fohlen eingepflanzt. Der Chip hat eine 15-stellige Nummer, die ein Lesegerät identifizieren soll. „Die Nadel vom Chippen ist dreimal so dick wie die Nadel zum Spritzen. Wenn der Chip sich mal entzündet, dann kann man die Pferde leiden sehen“, gibt Sven Völz, Inhaber der Hengststation in Edendorf, zu bedenken. Er sieht nach eigenen Angaben jedes Jahr acht bis 10 Fohlen, bei denen sich die Haut um den Chip entzündet. „Das wird faustdick und muss dann operativ entfernt werden“, erklärt der Pferde-Experte, der selbst jedes Jahr 20 bis 25 Fohlen hat. „Das Problem ist, wenn der Chip einen Tick zu hoch läuft, wird der Nervenstrang am Nackenband getroffen, und dann können Sie das Fohlen schlachten.“ Manchmal wandere der Chip auch unter der Haut. Im übrigen gebe es genug Pferde mit zwei Chips.

Völz befürwortet deshalb den traditionellen Brand, der neben dem Erkennungszeichen der jeweiligen Rasse eine Nummer trägt. Niemand drücke das Brenneisen mehr bis ins Fleisch. Heute werde die Stelle am hinteren Schenkel kahlrasiert, bevor kurz die dauerhafte Markierung eingeprägt werde, erklärt Völz: „Das Chippen tut auch weh.“

Für viele Züchter spielt auch eine Rolle, dass die Markierung weithin sichtbar ist. „Das hat ein bisschen mit Identifikation zu tun“, meint Völz: „Als Michael Whitaker den Nationenpreis holte, konnte man von weitem den Holsteiner-Brand sehen.“

Bundesrat und Bundesregierung wollten das Brandmarken der Fohlen schon 2011 nach dem Vorbild Dänemarks verbieten. Dagegen formierte sich Widerstand. Michael Grosse-Brömer (CDU), heute parlamentarischer Geschäftsführer der Union im Bundestag, verwies ein Jahr später auf international bekannte Markenzeichen für Pferderassen wie Holsteiner, Hannoveraner oder Oldenburger. „Diese abzuschaffen wäre dasselbe, als würde man einen Mercedes-Stern vorn abreißen und unter die Rückbank kleben“, kritisierte er das Vorhaben.

Von Gerhard Sternitzke

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