TSV besteht seit 105 Jahren / Möglicherweise gab es schon 1862 Turner an der Ilmenau

Ein Telegramm aus Bienenbüttel

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Körperertüchtigung im Männerturnverein (MTV) Bienenbüttel – im Jahr 1922 schon mit Mädchen: Die jungen Sportler mit Turnwart Ernst Sielemann junior (Mitte) und Betreuer Otto Waltje.

Bienenbüttel. 105 Jahre, das ist kein besonderer Geburtstag. Der TSV Bienenbüttel feiert das kleine Jubiläum heute, Freitag, 19 Uhr mit einem Fußballspiel „der Legenden“ gegen die SG Natendorf/Barum/Ebstorf (AZ berichtete).

Immerhin war die aus England importierte Trendsportart schon zu Kaisers Zeiten im Programm – 1911, als die Bienenbütteler den damaligen Männer-Turn-Verein, kurz MTV, gründeten.

Möglicherweise wird schon viel länger Sport in Bienenbüttel getrieben, weiß Axel Holst, der die Geschichte des TSV zum Hundertjährigen zusammen mit Dieter Holzenkämpfer erforscht hat. Denn in den sechziger Jahren wurden überall in der Region, so in Uelzen, Bevensen und Lüneburg, Sportvereine gegründet. „Man wollte zurück zur Natur, den Körper gesund erhalten“, erklärt Holst.

Einziger Beleg ist ein Telegramm, das 1962 von der Königlich Hannoverschen Telegrafenstation Bienenbüttel nach Bevensen geschickt wurde. „Turner sind 8 Uhr in Medingen. Abholen mit Musik auf eure Kosten“, kabelte ein W. Brüggemann. War es der erste Auswärtstermin der Bienenbütteler? „Schön wär’s, wenn das so eindeutig wäre“, sagt Holst. Es gab nämlich zu dieser Zeit keinen W. Brüggemann in Bienenbüttel, wohl aber ein gleichnamiges Vorstandsmitglied beim ein Jahr zuvor gegründeten MTV Bevensen.

Sicher ist die Gründung des MTV Bienenbüttel im Jahr 1911. Ausgerechnet der zugereiste Barbier Hahn begeisterte die Dorfjugend für den Sport. Er wurde zweiter Turnwart. Geturnt wurde auf dem Saal der früheren Gaststätte Kruskop, unter anderem auf Barren und Pferd. Die Handwerker brachten auch ihre Gesellen und Lehrlinge zur geselligen Körperertüchtigung mit. Dann kam der Erste Weltkrieg, die Männer zogen an die Front.

Mit der Weimarer Republik kamen die Frauen. 1923 wurden Mädchen- und Damenabteilungen eingerichtet.

Mit dem Erfolg des Vereins entwickelten sich aber auch unterschiedliche Interessen. 1927 spalteten sich die Fußballer ab und gründeten den BSC, den Bienenbütteler Sport-Club. Ausschlaggebend, so Holst, waren wohl finanzielle Gründe. Schließlich habe man die meisten Zuschauer, argumentierten die Fußballer, die zunächst am Himmelsberg an der Hohnstorfer Straße kickten, später dann in den Ilmenauwiesen, wo sich heute noch Sportplatz und Ilmenauhalle befinden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machten sich Fußballer und Handballer aus Bienenbüttel, die damals noch im Freien spielten, einen Namen. Auch die Schwimmer – sie trainierten im 1950 errichteten Waldbad – waren sehr erfolgreich.

Zur Fusion 1974 mit dem MTV (500 Mitglieder) zum Turn- und Sportverein mussten die Fußballer des BSC (200 Mitglieder) von der Gemeinde gedrängt werden, weiß Holst. „Jeder wollte Zuschüsse“, berichtet er. Die vom BSC beantragte Flutlichtanlage gab es nur für den neuen TSV Bienenbüttel. In einer Festschrift hieß es nüchtern: „Es war eine Vernunft-, weniger eine Liebesheirat.“

Von Gerhard Sternitzke

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