Steinsäulen für den Dorfplatz

Zwei Modelle präsentierte der Künstler Clemens Botho Goldbach den Edendorfern – weil das mit dem Bogen (rechts) aus statischen Gründen nicht realisierbar ist, soll das mit den Säulen (links) entstehen. Foto: Köhler-Götze

Edendorf. Mitte April ist der Düsseldorfer Künstler Clemens Botho Goldbach nach Edendorf gekommen und inzwischen ist er auch richtig angekommen. „Ich hätte nie gedacht, dass ich in so kurzer Zeit so viele Namen so vielen Gesichtern zuordnen kann“, wundert er sich.

Goldbach – oder Clemens, wie die Edendorfer sagen, denn man duzt sich im Dorfe – ist für ein halbes Jahr Dorfkünstler im Rahmen des Projekts „Kunst fürs Dorf – Dörfer für die Kunst“. Wie berichtet, ist Edendorf dabei eines von fünf Dörfern mit einem Dorfkünstler, die aus 31 Bewerbungen aus Niedersachsen ausgewählt wurden. Bis zum Oktober wird Goldbach im Dorf bleiben und wenn er wieder geht, dann will er etwas Bleibendes hinterlassen. Durchaus ungewöhnlich für ihn, denn seine Kunstprojekte sind nicht immer auf Dauer angelegt. Seine Skulptur, die er an der Wilhelmshavener Kunsthalle gemauert hatte, wurde nach Beendigung des Projekts wieder abgerissen.

In Edendorf haben die Dorfbewohner sich gewünscht, dass Goldbach sich des Themas „Steine“ annehmen sollte, nicht zuletzt, weil dort – wie überall in der Heide – die Steine aus dem Boden wachsen, wie der Volksmund sagt. Und der Wunsch hatte auch damit zu tun, dass Goldbach gerne seine Objekte mauert, sich selbstironisch einen „reisenden Handwerker“ nennt.

Ruinenhaftes entsteht dabei oft, Objekte, bei denen man spontan an die Gemälde von Caspar David Friedrich denkt oder an die künstlichen Ruinen, die im 18. Jahrhundert als Teil von Parks entstanden sind. Auch Friedrich hat zu seiner Zeit keineswegs nur real existierende Ruinen gemalt, sondern in seinen Gemälden Ruinen konstruiert aus Versatzstücken verschiedener Herkunft.

Goldbach hat sich entschieden, seine „neue Ruine“ auf dem Dorfplatz zu bauen, direkt vor der Scheune, in der er sein Atelier hat. Der wird ohnehin gerade umgestaltet und da hat er Platz: Auf einer Fläche von etwa 80 Quadratmetern sollte ein aus Ziegeln und Feldsteinen gemauerter Bogen entstehen, rund 5,50 Meter hoch. Ab einer Höhe von 3,40 Metern braucht auch Kunst einen Statiker, der den Bau genehmigt, weiß Goldbach – und der Statiker genehmigte nicht. Feldsteine und Ziegelsteine zusammen, das könne er nicht berechnen und das arbeite auch gegeneinander, befand der. Und das ganz kurz vor der öffentlichen Präsentation.

Goldbach baute ein Modell einer Alternativ-Version, ohne Bogen, ohne Feldsteine im Mauerwerk. Die spart eine Menge teuren Stahl im Inneren, der Statiker gibt sein o.k. und die Säulen ohne Bogen dazwischen werden mit den alten Steinen der Mauer um den Dorfplatz verblendet.

Auch mit diesem Entwurf können sich die Edendorfer Bürger anfreunden. Zumal ihr Clemens auch das Thema Hünengrab dabei aufgreift. Findlinge bilden einen Kreis gegenüber den Säulen. Auf denen kann man sitzen und das Osterfeuer angucken, freuen sie sich und an den Säulen könnte man doch auch Rosen hochranken lassen, oder?

An Hilfsangeboten mangelt es Goldbach nicht: Der Eine hat noch eine Menge Ziegelsteine, der Nächste den Hänger, mit dem er sie transportieren will, gleich mehrere melden sich, um den Mörtel von den alten Ziegelsteinen zu klopfen.

Der Plan, in dem sich jeder eintragen kann, der etwas beitragen will, hängt schon im Atelier. Eine ganz neue Erfahrung für den Künstler, der es gewohnt ist, mehr oder minder einsam im Atelier zu arbeiten, und er genießt ganz offensichtlich, dass er hier gänzlich anders wahrgenommen wird.

In Edendorf entsteht nicht nur Kunst fürs Dorf, hier erwärmt sich auch ein ganzes Dorf für die Kunst – und so war das Projekt schießlich auch gedacht.

Von Jürgen Köhler-Götze

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