Gefährlicher EHEC-Keim auf Ware von Bienenbütteler Biohof entdeckt

Die Sprossen sind’s

Komplett geschlossen: Seit gestern darf der Sprossenhof in Steddorf auch kein Gemüse mehr liefern. Foto: dpa

ib/dpa Bienenbüttel-Steddorf. Die EHEC-Quelle ist ziemlich sicher gefunden: Erstmals wurden an den Sprossen, die vom Gärtnerhof in Bienenbüttel stammen, Bakterien des aggressiven Typs O104 entdeckt, wie das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium gestern mitteilte.

Tomaten, Gurken und Blattsalate könnten wieder ohne Bedenken gegessen werden, sagte Andreas Hensel, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR). Die Warnung vor rohen Sprossen aber bleibt bestehen.

Der unter EHEC-Verdacht stehende Biohof wurde gestern komplett gesperrt, darf auch kein Gemüse mehr in den Handel liefern. Bisher galt das Verkaufsverbot nur für Sprossen. Der Betreiber hatte aber bereits seit Sonntag freiwillig keine anderen Produkte mehr in Umlauf gebracht.

Dass der Sprossen-Hof in Bienenbüttel sich als immer heißere Spur erwies, hatten die Ermittler in der Nacht zu gestern mit einer fast kriminalistischen Methode herausgearbeitet: der „rezeptbasierten Restaurant-Kohortenstudie“, wie der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Reinhard Burger, berichtet. Für fünf Gruppen von insgesamt 112 Menschen, darunter 19 erkrankte, wurden Speisekarten, Bestelllisten und Fotos, auf denen Teller samt Garnierung zu sehen waren, ausgewertet. Dabei fiel der Sprossen-Verdacht klar ins Auge.

Kurz darauf ein neues Analyse-Ergebnis: Untersucht wurde eine geöffnete Sprossenpackung aus der Mülltonne eines Hauses bei Bonn. Sie stammte aus dem Biobetrieb in Steddorf. In dem Haushalt waren zwei Familienmitglieder nach dem Verzehr von Sprossen an EHEC erkrankt. Damit wurde erstmals eine ununterbrochene Kette zwischen infizierten Sprossen aus dem Betrieb in Bienenbüttel und erkrankten Personen nachgewiesen.

Nicht liefern können die Fahnder vorerst den letzten Beweis, wie die Bakterien auf die Sprossen gelangten. Vieles spricht dafür, dass es eine Übertragung vom Menschen auf die Sprossen gab: bei der Ernte, beim Verpacken oder auf andere Weise. Auch über die Düngung könnte es passiert sein. Für Entwarnung freilich ist es zu früh. „Der Ausbruch ist noch nicht vorbei“, sagt Reinhard Burger. Zwar geht die Anzahl der Neuerkrankungen zurück, dennoch sei mit weiteren Fällen zu rechnen, auch mit Todesopfern.

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