Freiwillige Feuerwehr Bienenbüttel hält Kontakt nach Mistelbach / Spannende Landeswettbewerbe

28 Sekunden Österreich

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Bienenbütteler Feuerwehrleute (in Zivil) mit der Wettkampfgruppe in Mistelbach. Oben: Fahrt mit der Feuerwehrleiter der Wiener Berufsfeuerwehr.

Bienenbüttel. Mistelbach in Niederösterreich: 11 000 Einwohner, Einkaufszentren am Stadtrand, Winzer – und eine ungewöhnliche Partnerschaft: Seit 1974 pflegt die dortige Feuerwehr eine Freundschaft mit der Freiwilligen Feuerwehr Bienenbüttel.

Bienenbütteler Feuerwehrleute (in Zivil) mit der Wettkampfgruppe in Mistelbach. Oben: Fahrt mit der Feuerwehrleiter der Wiener Berufsfeuerwehr.

Zum 40-Jährigen Bestehen reiste eine Jugendgruppe von der Ilmenau nach Österreich. 2015 nahmen die Mistelbacher an den Traditionswettkämpfen teil. Gerade ist eine 14-köpfige Bienenbütteler Gruppe vom Gegenbesuch zurückgekehrt. Außer der Gastfreundschaft bringt Gemeindebrandmeister Manfred Zaiser auch neue Einsichten mit.

Höhepunkt des Besuchs waren landesweite Feuerwehrwettkämpfe im niederösterreichischen Zistersdorf. Allein die Zahlen waren beeindruckend: Bei 1200 Starts traten insgesamt 12 000 Feuerwehrleute an. Dass die Bienenbütteler die Mistelbacher anfeuerten, ist Ehrensache. Und sie waren beeindruckt von der Organisationsleistung und den sportlichen Erfolgen der Feuerwehrleute.

Die beste Mannschaft brauchte nur 28 Sekunden, um 76 Meter Leitungen zu verlegen, obwohl die österreichischen Schläuche mit Schraubenschlüsseln angeschlossen werden müssen.

Wasser fließt bei diesen Wettbewerben nicht, die weitgehend der internationalen Wettkampfordnung entsprechen. „Diese Wettkämpfe sind eher auf Schnelligkeit ausgelegt. Da geht es um Zehntel-Sekunden“, berichtet Zaiser. „Das hat eine ganz andere Attraktivität für die Zuschauer.“

Das findet Zaiser durchaus beachtenswert im Vergleich zu den deutschen, durch Ausbildungsnormen überfrachteten Wettkampfordnungen. „Ein Wettbewerb muss kurz und knackig sein“, ist Bienenbüttels Gemeindebrandmeister überzeugt. „Ich denke, wir müssen versuchen, Feuerwehrleute über Kameradschaft und Wettbewerb zu gewinnen. Die Ausbildung geht bedeutend weiter, als man in Wettbewerben abbilden kann.“

Die Bienenbütteler haben anders als in früheren Jahren nicht an den niederösterreichischen Wettbewerben teilgenommen. Zaiser hofft aber, in den nächsten Jahren wieder eine Mannschaft zusammenstellen zu können. „Wann kommt eine Feuerwehr schon über Kreisgrenzen hinaus, um andere Länder kennenzulernen?“, gibt er zu bedenken.

Über die Teilnahme an den niederösterreichischen Wettbewerben ist auch die Partnerschaft mit Mistelbach entstanden. 1972 traten die Bienenbütteler zum ersten Mal nach österreichischen Regeln an. 1974 wurde die Partnerschaft besiegelt. Und die müsse – über eine Distanz von 840 Kilometern – immer wieder durch neue Kontakte am Leben gehalten werden, so Zaiser. Vor allem Bienenbüttels Ehrenbrandmeister Klaus Georg Franke hat sich für internationale Wettkampfteilnahmen der Bienenbütteler engagiert, unter anderem in Warschau (1989) und Kuopio/Finnland (2001).

Auch etwas anderes hat Gemeindebrandmeister Zaiser beeindruckt: „Der Stellenwert der Feuerwehr wird von den österreichischen Bürgern bewusster gesehen“, erzählt er. In Deutschland dagegen werde die Feuerwehr häufig fälschlich als privater Verein angesehen.

Von Gerhard Sternitzke

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