Projekt Klärschlammvererdung: Bienenbüttel stellt Förderantrag für Millionenprojekt

Aus Schiet wird Kompost

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In der Kläranlage in Hohenbostel werden die Abwässer zunächst mit Luft versetzt. Bakterien beginnen mit dem Abbau der Inhaltsstoffe. Zukünftig soll der Klärschlamm in einem Schilfbeet verkompostiert werden.

Bienenbüttel-Hohenbostel. 390 000 Kubikmeter Abwasser landen jährlich in der Kläranlage bei Hohenbostel. Weit weg von den nächsten Häusern werden hier die Hinterlassenschaften der knapp 8000 Einwohner so bearbeitet, dass möglichst wenige Schadstoffe in der Ilmenau landen.

Im vorigen Jahr hatte die Gemeinde die Investition in eine neue Vorreinigung aufgeschoben, um die Zukunft der Anlage grundsätzlich zu überdenken. Jetzt gibt es Pläne für eine Millioneninvestition. Die Verwaltung habe Fördermittel beantragt, informierte Bürgermeister Dr. Merlin Franke jüngst im Gemeinderat. Aus einem EU-Förderprogramm gebe es bis zu 40 Prozent Förderung, höchstens aber eine Million Euro.

Bei dem EU-Programm geht es um die Energieeffizienz bei der Abwasserbehandlung. Die Purena, eine Tochter des Energieversorgers Eon-Avacon, die seit 2014 die Kläranlage im Auftrag der Gemeinde Bienenbüttel bewirtschaftet, hat ein entsprechendes Konzept erarbeitet, das eine Investition von 2,8 Millionen Euro vorsieht. „Damit werden 107 Tonnen Kohlendioxid eingespart. Das entspricht 145 000 Kilowattstunden Strom, die wir pro Jahr einsparen können“, rechnet Purena-Prokurist Thomas Meyer vor.

Maßnahme eins: In der Vorklärung wird in einem Becken Luft in das Abwasser gepumpt, damit die darin enthaltenen Bakterien organische Stoffe in unschädliche Bestandteile umwandeln. Durch hocheffiziente Belüftungsmaschinen und weitere Energiespartechnik wird der Stromverbrauch zukünftig reduziert.

Maßnahme zwei: Bislang dienen Absetzteiche dazu, die organischen Stoffe abzutrennen. Der Klärschlamm enthält jedoch immer noch 99 Prozent Wasser, also ein Prozent organische Masse. Bislang werden sogenannte Polymere, eine Art Kunststoffe, beigesetzt, um auf sechs Prozent einzudicken. Doch die Polymere sind umstritten. „Die wollen wir gänzlich heraus haben aus dem System“, sagt Meyer. Um die Masse weiter zu konzentrieren, sieht das Konzept eine Klärschlammvererdungsanlage vor. Sie kommt ohne Zufuhr umstrittener Chemikalien oder weitere energiezehrende Maschinen aus. Im Prinzip handelt es sich um ein 5000 Quadratmeter großes Schilfbeet mit Dränagerohren.

„Das Wasser, was dort versickert, wird der Kläranlage wieder zugeführt, der Klärschlamm bleibt“, erklärt Meyer. „Nach 15 Jahren räumen wir das Beet und führen es der Rekultivierung oder der Landwirtschaft zu.“ Die in dem Endprodukt mit nur noch 60 Prozent Wassergehalt enthaltenen Stoffe, Phosphat und Stickstoff, seien wertvolle Pflanzennährstoffe, würden aber nicht ausgewaschen.

Die Technik hat die Purena bereits in Amelinghausen erprobt. Für Hohenbostel ist sie noch Zukunftsmusik. Der Förderantrag ist erst gestellt, und der Rat trifft die Entscheidung, ob er die Investition tätigt. Ohne Geld geht es aber in keinem Fall, so Meyer: „Die Anlage kommt aber in die Jahre und wird instand gesetzt werden müssen.“

Von Gerhard Sternitzke

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