Die Medienflut hat sich aus Steddorf zurückgezogen / Israelisches Fernsehen dreht für Magazin

Die Ruhe nach dem Sturm

Eigentlich fand Kater Felix den ganzen Medienrummel recht interessant. Seit gestern aber hat er den Platz vor dem Tor zum Steddorfer Gärtnerhof wieder ganz für sich – die Übertragungswagen und Kamerateams sind abgezogen. Fotos: Ph. Schulze

Bienenbüttel-Steddorf. Eigentlich möchte er jetzt nur seinen Wohnwagen anspannen und selbigen zur Inspektion fahren, damit es in ein paar Tagen in den Italien-Urlaub gehen kann. Doch so einfach ist das nicht: Bruno Greve muss – einmal mehr – einem Reporter-Team aus Israel Rede und Antwort stehen.

Denn außer dem Nachbarn des Gärtnerhofes in Steddorf, dessen Keimsprossen Ursache der EHEC-Epidemie sein sollen, ist weit und breit niemand mehr auf den Dorfstraßen zu sehen. Vorbei der Medientrubel in dem kleinen Bienenbütteler Ortsteil. Kein Übertragungswagen mehr in Sicht. Ruhe ist gestern Morgen eingekehrt am Fichtenweg.

Allein ein Kamerateam aus Israel war gestern Morgen vor Ort – und fand im Steddorfer Bruno Greve einen Interviewpartner.

Ob er jemals zuvor eine solche Hysterie vor seiner Haustür erlebt habe, will Reporter Lior Friedman vom isrealischen Fernsehsender Channel 2 von Bruno Greve wissen. Greve schüttelt den Kopf. „No, the first time“, sagt er und hantiert an der Anhängekupplung. Wie viele Kameras seit Sonntag vor seinem Grundstück aufgebaut worden waren? „Zu viele“, stellt Greve fest und lacht. Und davon, dass er nun ein „Moviestar“ sei, wie Friedman augenzwinkernd schlussfolgert, will er schonmal gar nichts wissen. „No, no! No Moviestar!“ winkt er ab. Hinter dem hohen Eisenzaun des gesperrten Gärtnerhofes Bienenbüttel stehen drei Leute vom Sicherheitsdienst und tippen gelangweilt auf ihren Han-dys. Vor dem Zaun, wo sich am Montag noch die Reporter aus aller Herren Länder drängelten, liegen nur ein paar Zigarettenkippen auf dem Boden. Das Gras am Straßenrand ist platt gedrückt von den schweren Übertragungswagen. „You are too late“ – „Sie sind zu spät“, bescheinigt Bruno Greve dem Reporter aus Israel. Doch der will sowieso keine Hard-News-Geschichte drehen, sondern eher eine bunte, softe Story, eine Geschichte hinter der eigentlichen Geschichte. „A story about Germany and the hysteria“, erklärt er. Eine Geschichte über Deutschland und die Hysterie.

Bruno Greve jedenfalls gibt Lior Friedman für seinen TV-Bericht noch mit auf den Weg, dass er die Betreiber des Gärtnerhofes für „very nice people“ halte und sich wünsche, dass für sie alles gut werden möge. Spricht’s, steigt ins Auto und fährt los. Auftritt für Greves Gattin Hildegund. Jetzt gibt sie dem Reporter aus Israel bereitwillig Auskunft. Eine Garage in Steddorf wird zur Interview-Kulisse.

Eine Kameraeinstellung noch mit der benachbarten Kuhwiese im Hintergrund. Ein Blick auf das Gelände des Gärtnerhofes. dann verabschiedet sich das Channel-2-Team wieder. Es will noch in einem Hamburger Restaurant die Stimmung in EHEC-Zeiten aufschnappen, und dann geht es heute zurück ins Büro nach London, damit die Reportage alsbald nach Tel Aviv geliefert werden kann. Unterdessen kommen zwei Journalisten einer russischen Zeitung des Weges und stehen eine Weile ratlos vor dem still daliegenden Gärtnerhof.

Am Nachmittag werden nochmals Fahrzeuge von Landkreis und Landwirtschaftsministerium das grüne Eisentor des Gärtnerhofes passieren. Bis in die Nacht hinein sollen am Montag die Untersuchungen auf dem Gelände gedauert haben, gestern wurden sie fortgesetzt. Doch bislang sind sämtliche Proben vom Gärtnerhof, die auf den tödlichen Darmkeim untersucht wurden, ohne Befund. „Man kann nur hoffen, dass das alles für die gut ausgeht“, sagt Hildegund Greve und blickt nachdenklich auf das Nachbargrundstück, den Gärtnerhof.

Von Ines Bräutigam

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