Planer finden Lösung für Radweg im Naturschutzgebiet / Neue Chance für Strecke Niendorf-Wulfstorf

Radler sollen Erdbeeren umkurven

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Damit die geschützte Moschus-Erdbeere weiter an der Straße zwischen Niendorf und Wulfstorf wuchern kann, muss der Radweg einen Schwenk von zehn Metern ins Gelände machen.

Niendorf. Hier leben Radfahrer gefährlich. Mit 100 und mehr Sachen brausen die Autofahrer durch die Kurve hinter Niendorf und Wulfstorf. Den Radler sehen sie erst in letzter Sekunde.

Inga Heitmann

Jetzt gibt es gute Nachrichten für die Niendorfer und Wulfstorfer, die schon seit Jahren einen Radweg fordern: Ein Entwurf für die Verbindung zwischen beiden Dörfern liegt nun vor, informiert Bienenbüttels Bauamtsleiterin Inga Heitmann. Sie ist nun optimistisch, dass die Verbindung trotz des Vorkommens der geschützten Moschus-Erdbeere (AZ berichtete) gebaut werden kann.

Die Bombe war im Juni im Bauausschuss geplatzt. Da berichtete die Bauamtsleiterin, dass im Hartgenbecktal Naturschutzbestimmungen auf beiden Seiten einen Strich durch die Planungen machen. Im Rahmen einer Biotopkartierung, die bei einem solchen Bauvorhaben vorgeschrieben ist, war ein etwa 20 bis 30 Quadratmeter großes Vorkommen der vom Aussterben bedrohten Pflanze mit dem wissenschaftlichen Namen Fragaria moschata entdeckt worden.

Die geschützte Moschus-Erdbeere (Fragraria moschata).

„Die Planer haben viel Mühe“, sagt Inga Heitmann. Man habe jetzt aber eine Variante gefunden, für die man auf die Zustimmung des Landkreises hoffe. Demnach macht der Radweg einen zehn Meter tiefen Schlenker um den Kernbestand. Vereinzelte Erdbeeren werden verpflanzt. Zustimmen müssen nach Angaben der Bauamtsleiterin auch die Naturschutzverbände.

Die Planung wird voraussichtlich in der nächsten Bauausschuss-Sitzung am Donnerstag, 18. August, ab 18.30 Uhr vorgestellt. Fest steht schon jetzt: Der Radweg soll von Niendorf aus zunächst auf der linken Seite verlaufen. Beim Friedhof wechseln die Radfahrer auf die rechte Seite. Hier sei der Baugrund besser. Außerdem gebe es am Kanal, wo der Radweg endet, die Anbindung an einen Wirtschaftsweg nach Hohnstorf.

Gefährlich für Radfahrer: Die Kurve bei Niendorf.

Im Naturschutzgebiet sind die Planer an strenge Auflagen gebunden. Ein Radweg auf der rechten Seite schied aus, weil der Flächenverbrauch wegen eines nötigen Damms zu groß gewesen wäre. Auf der linken Seite blühten die Erdbeeren, die Waldränder und feuchte Gebüsche lieben – sehr zum Ärger von Bürgermeister Dr. Merlin Franke. „Natürlich müssen Rote-Liste-Arten geschützt werden“, meinte er im Juni. „Aber wenn ein Radweg gebaut werden soll, dann müssen Ausnahmen möglich sein.“ Immerhin komme es der Umwelt zugute, wenn die Menschen aufs Fahrrad umstiegen.

Bis zum 1. September muss das Projekt nun angemeldet werden, damit die Gemeinde Fördermittel erhält und im nächsten Jahr bauen kann.

Von Gerhard Sternitzke

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